Ihr Ende traf mich wie das einer Lieben. Es kam zu früh, unerwartet, der Verlust schmerzte, bei jedem Atemzug durchzog mich ein leichter ziehender Schmerz. Ich hielt sie zwischen Daumen und Zeigefinger: die Plombe war nach arbeitsreichem kurzem Leben nicht mehr als ein paar zehntel Gramm Amalgam am falschen Ort.

„Haben Sie Schmerzen?“ säuselte eine Stimme, besorgnisversprechend.

„Nun, so eilig ist es nicht“, täuschte ich, zigmal erprobt, heldenhaft vor. Es half nichts: der Terminvorschlag für denselben Nachmittag kam so überraschend, daß es mir – an stundenlanges Sitzen in deutschen Zahnärztewartezimmern und wochenlange Absprachen gewöhnt – die Kehle trockenlegte. „Okay.“

So machte ich mich auf den Weg zu einem Vertreter der Zunft, die zu den führenden der Welt zählt, zu einem amerikanischen Zahnarzt Ein letzter versichernder Griff in die Innentasche nach meinem Scheckbuch, und ich betrat die Vorhölle – eine New Yorker Dentistenpraxis. Sie war türkisblau: Wände, Decken, Teppiche, selbst der Bezug der Couch. Ruhe über alles, und ich als einziger im Wartezimmer.

„Ich bin Maria.“ Es war dieselbe beruhigende Stimme, die mich am Telephon hierher gelockt hatte. Maria überreichte mir zwei Fragebögen, Die nächsten zehn Minuten suchte ich mich an Kinderkrankheiten und Allergien, an Operationszwischenfälle und unstillbare Blutungen zu erinnern. Nur gut, daß ich leichten Herzens ein „no“ bei der Frage machen konnte, ob ich schwanger sei.

Ich erinnerte mich an meine größte Angstphase bei deutschen Zahnärzten, als mir nach Spritzen regelmäßig schummerig wurde. Jedesmal hatte mich der Meister von Bohrer und Spritze gefragt: „Können Sie etwa Spritzen nicht vertragen? Als ob das nach der Betäubungsinjektion noch eine Rolle spielte.

Nach menschlichem Ermessen und medizinischem Wissen sollte es jetzt jedenfalls nicht mehr zu unerwarteten Zwischenfällen kommen, sofern ich die Fragebogen richtig ausgefüllt hatte.