Ganz persönliche Erinnerungen an die Tage der Währungsreform

Von Werner Klose

Am 18. Juni 1948, vor genau dreißig Jahren, begann mit der Währungsreform eine neue Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in den von den Westmächten besetzten Zonen. Die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland und die deutsche Teilung zeichneten sich ab. Für meine Frau und mich wäre in jenen Tagen fast das Ende unserer Ehe gekommen, die damals auch erst ein Jahr älter war als unser dreijähriger Sohn.

Das Ärgernis, das uns in die Krise und dann fast in Verzweiflung trieb, war ein Buch: Paul Hankamers „Deutsche Gegenreformation und deutsches Barock“, ein 1947 herausgebrachter Nachdruck der in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart 1935 erschienenen Erstauflage.

Der an den Ecken bestoßene Pappband liegt neben mir; an den Rändern vergilbt das holzhaltige Papier. Druckgraphisch in großer, klar lesbarer Fraktur, ein deutsches Buch über ein deutsches Thema.

Der Autor stellt einleitend zu seiner Methode fest: „Nur als Gesichtspunkte, von denen aus das Stilphänomen deutlicher und differenzierter begriffen, werden könnte, sind die Themen gedacht und benutzt.“ Da wußte einer noch, was Wissenschaft war: ein hochgelehrter Mann; aber er bewegt sich vorsichtig abwägend im Konjunktiv auf dem Wege zur Erkenntnis. „Bildungsgeschichtliches, Soziologisches und Religionspsychologisches – alles mochte nur Mittel zur wissenschaftlichen Erkenntnis des Stils sein, in dem uns die Totalität der menschlichen Daseinsform jener Zeit entgegentritt.“

Mein Gott, wie schlicht würde sich heute der soziologische Materialismus sein Barock-Bild zusammenstricken. Hier aber legt einer die Fundamente zu einem Standardwerk, weiß es sehr wohl und bleibt immer noch im Konjunktiv.