Bei der „Saisonpressekonferenz“ in Wien präsentierten sich Österreichs Fremdenverkehrsstrategen mit wiedererstarktem Selbstbewußtsein. Im prunkvollen Marmorsaal des „Palais Schwarzenberg“ wiesen sie kleinliche Preis-

Zu süßen „Petits Fours“ und zarten Geigenklängen wurden als Beigabe gedämpft optimistische Zahlen gereicht. Nach dem Besucherrückgang des letzten Sommers von 2,1 Prozent zeichnet sichfür diese Saison ein Plus von 1,2 Prozent vergleiche zurück und überreichten eine von „unabhängigen österreichischen Journalisten“ erarbeitete Studie, die Austria als eine heile Welt darstellt, „die noch so funktioniert, wie man es sich im Westen wünscht“.

ab. „Und das“, überspielte Handelsminister Josef Staribacher, oberster Obmann des österreichischen Fremdenverkehrs, die gegenüber 1976 noch immer nicht ausgeglichene Bilanz, „ist keine böhmische Zahlenverdrehung.“ Fest steht bereits eine andere Zahl: Der Österreichurlaub wird gegenüber dem Vorjahressommer um durchschnittlich 3,3 Prozent teurer.

„Wir haben aufgeholt“, – diesen Satz werden die österreichischen Fremdenwerber nicht müde zu versichern. Denn sie sehen die Lage so: Die Gruppe der zweit- und drittklassigen Hotels hätte im Billigreiseland der sechziger Jahre saniert werden müssen, weil der deutsche Gast inzwischen „höchste und beste Qualität wünscht“ (Staribacher). Von der folgenden, unvermeidlichen Preiserhöhung sei der Tourist zunächst „ungemein unangenehm“ überrascht gewesen und im Sommer (das Geschäft mit dem Wintersport lief und läuft unverändert gut) einfach in südlichere Gefilde ausgewichen. Der Gästeschwund habe darum auch vor allem die Hotels der unteren Kategorien betroffen.

Inzwischen aber sieht Österreich, ein Land, das bei nur sieben Millionen Einwohnern über 1,25 Millionen Gästebetten verfügt und dementsprechend empfindlich auf die kleinste Verschiebung in der Fremdenverkehrsstatistik reagiert, der Zukunft wieder hoffnüngsfroh entgegen. Sozusagen unter dem Motto: „Qualität hat seinen Preis“, steht man – wohl auch angesichts der günstigen Buchungsprognosen – voll zu den Forderungen der Hoteliers und Gastronomen. Zwar hat auch schon dem Herrn Minister, „der Kaffeepreis große Sorgen gemacht“, aber „im ganzen gesehen“ müsse Österreich den Vergleich mit den anderen Reiseländern nicht scheuen. Bei einem wirklich stimmigen Preis-/Leistungsvergleich seien schließlich „auch all die immateriellen Angebote“ mit einzukalkulieren, die Österreich seinen Gästen biete.

Selbige aufzuzählen haben sich die Journalisten in der „Leistungsbilanz“ des österreichischen Sommerfremdenverkehrs zur Aufgabe gestellt. Diese läßt denn auch im „Land der soliden Verhältnisse“ weder die „Innere Sicherheit“ aus („,modische Delikte’ wie Luftpiraterie, Bandenbildung treten in Österreich nicht oder nur vereinzelt auf“), noch vergißt sie „das Absinken von Sittlichkeitsverbrechen“ zu verzeichnen. Neben der Polizei, so erfährt man, ist auch die Feuerwehr prima auf Zack: Jeder vierzigste Österreicher weiß aus Profession oder freiwillig mit dem Feuerwehrschlauch umzugehen.

Zudem werden ausführlich die Milliarden Schillinge aufgezählt, die Österreich jährlich in die Hege und Pflege seiner Wälder steckt oder für den Denkmalschutz, die Reinerhaltung der Seen, für Campingplätze oder das „dichteste Lift- und Seilbahnsystem der Welt“ ausgibt und ausgegeben hat.