Von Klas-H. Griebel

Die Geschichte begann an der Côte d’Azur. Ich war gerade von einer langen, kalten Winterreise aus den USA und Kanada zurückgekommen und ließ mir an der Croisette von Cannes in einem überfüllten Straßencafe die wärmende Frühlingssonne auf den Bauch scheinen, als mir der Finne Pekka Koskenkyla über den Weg lief. Groß und hager schlenderte er mit seinen Segelschuhen durch das Lokal und landete an meinem Tisch. Ich trug die gleichen Schuhe, und wir kamen schnell ins Gespräch.

Seinen Namen kannte ich, getroffen hatte ich ihn noch nie, den Begründer der weltbekannten Segelyachtwerft Nautor, aus dessen Hause die „Sayula“ das erste Weltrennen gewonnen hat. Heute lebt Pekka in Cannes, aber sein Herz blieb in Finnland.

„Finnland“, sagt er, „nur Finnland bietet dir heute in Europa noch die richtige Erholung. Da kannst du tagelang durch die Seen fahren, ohne auch nur einen Menschen zu sehen, der dich in dieser noch unberührten Natur stören würde.“ Und dann erzählt er mir seine Idee, In Holland kauft er guterhaltene Binnenschiffe auf und läßt sie von finnischen Bootsbauern geschmackvoll ausbauen, mit Sauna und Kamin. Der Wunschtraum vieler Haus- und Bootsbesitzer erfüllt sich damit: Eine Kombination aus beidem, die mobile, schwimmende Ferienvilla.

„Diese Dinger sind ein Faß ohne Boden“, meint Pekka und zeigt auf eine Luxusyacht, die vor uns in der Bucht von Cannes ankert. „In die steckst du nur Geld hinein, und die anderen glauben, du bist reich. Ich biete für ein Zehntel dieses Preises mindestens den gleichen Lustgewinn.“

Beim zweiten Pastis schwärmt er von der Seenwelt Finnlands, den einsamen Inseln und Wäldern. Beim dritten Pastis bin ich Feuer und Flamme, und wir verabreden uns für Juli in Mikkeli im Herzen Finnlands am Saimaasee.

Einige Monate später: Das Fährschiff läuft in die Bucht von Helsinki ein. Ein angetrunkener Finne landet auf meinem Schoß, das schlingernde Schiff hat ihn aus dem Gleichgewicht gebracht. Wortlos erhebt er sich wieder und schaukelt weiter. Typisch finnisch: Nur kein Wort zuviel. Finnen reden wenig, es sei denn, ihr Land wird angegriffen. Dann allerdings werden sie rabiat, und die Worte sprudeln nur so hervor. Unter den Kareliern, einer ausgesprochen redseligen Volksart in Südosten des Landes, erzählt man sich die Geschichte der zwei Finnen, die sich zum Bier in einer Kneipe treffen. Sagt der eine nach einer halben Stunde Schweigens: „Schön, so ein kühles Bier“, antwortet der andere nach einer weiteren Stunde: „Bist du nun zum Trinken oder zum Schwatzen hier?!“