Sottje kommt“ – mit Kreide an Hamburger Haustüren geschrieben –, bedeutet, daß der Schornsteinfeger zu erwarten ist, der schwarze Ahnherr aller Umweltschützer (Slogan auf Plaketten: Schorni hält die Luft sauber).

In einem der 153 Bezirke von Meistern der Zunft kündigt die Kreideschrift ein Mädchen an, Anja Larsson, einzige Gesellin in der Stadt. Sie steigt den Blankenesern aufs Dach.

Sie ist neunzehn Jahre alt und schon vier Jahre im Beruf – drei davon als Lehrling. Was gefällt ihr daran? „Alles! Alles macht Spaß! Wenn ich mich noch einmal entscheiden müßte, ich würde immer wieder Schornsteinfeger werden. Man ist frei und ungebunden, teilt sich die Arbeit selber ein.“

Schornsteinfeger bringen bekanntlich Glück. Ihr brachte einer das Glück, Schornsteinfeger zu werden – ganz zufällig, weil sie einen Bus verpaßte.

„Es war nach dem Hauptschulabschluß. Ich saß mit meiner Freundin auf einer Bank, wir mußten eine Stunde warten. Wir sprachen davon, daß wir noch nicht wußten, was wir werden, wollten. Da kam einer vorbei, der war im zweiten Lehrjahr. Wir haben ihn gefragt, wie das so ist – und als ich nach Hause kam, habe ich gesagt, ich werde Schornsteinfeger.“

Zu Hause, das ist ein Bauernhof im Hamburger Umland. Dort war ein paar Tage später gerade Sottje-Termin, gute Gelegenheit für die Fünfzehnjährige, sich weiter zu informieren. Sie erfuhr, daß der Bezirksmeister just einen Lehrling suchte – einen Jungen natürlich, wie es üblich ist. Aber ein Mädchen? „Warum nicht?“ Das Mädchen bekam die Lehrstelle.

„Wir sind gestiegen, haben gefegt und ausgenommen, dann war auch schon wieder Feierabend.“ Die praktische Lehre war sozusagen ein Klacks, auch der Teil, der noch gelehrt, aber praktisch nicht mehr gebraucht wird. „Wir steigen ja nicht mehr in den Schornstein, dafür hat man den Stoßpumper. Der ist so ähnlich wie der Stern, nur größer und mit Reet und wird nach oben gestoßen.“