Mit der Kündigung des Staatsvertrages durch den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten hat die Krise des Norddeutschen Rundfunks ihren Höhepunkt erreicht. Für die Misere des Senders gibt es viele Ursachen. Eine der wichtigsten war die Unfähigkeit der aufsichtführenden Politiker zum Kompromiß. Statt geredet wurde geholzt. Zu diesem Stil paßt nur zu gut, daß Stoltenberg am vergangenen Freitag den entscheidenden Schritt tat, ohne vorher mit seinen Vertragspartnern Rettungsversuche ausgelotet zu. haben. Die Halsstarrigkeit der Politiker, die zu permanenten Grabenkämpfen im Verwaltungsrat führte, die Parteibuchjournalismus, Mittelmäßigkeit und finanzielle Schlamperei förderte, hat sich nun vollendet.

Jetzt müssen die Politiker miteinander reden. Falls nicht, wird die Drei-Länder-Anstalt am 1. Januar 1981 aufhören zu existieren. Ein Drehbuch für die Verhandlungen liegt auf dem Tisch. Doch versprechen Stoltenbergs „Grundzüge einer Neuordnung des NDR“ Ansätze zur Besserung? Die Antwort heißt aus dreifachem Grunde nein. Erstens wird die Aufstockung der NDR-Aufsichtsgremien nicht zur geforderten Unabhängigkeit führen, sondern die Sendertendenz nur von links nach rechts verlagern. Die Erfahrung aus dem vielgelobten ZDF-Modell liefert seit langem Anschauungsunterricht für diese These. Zweitens weist der Kieler Plan keinen Ausweg aus der drohenden Pleite (siehe auch Seite 4). Die Forderung, Schleswig-Holstein und Niedersachsen stärker bei der Berichterstattung zu berücksichtigen, setzt vielmehr zusätzliches Personal und technisches Potential voraus. Das kann sich nur auf der Sollseite des Senders niederschlagen. Drittens droht der Drang nach möglichst schneller Gegendarstellung noch mehr Langeweile ins Programm zu tragen. Denn wer wird sich am nachdrücklichsten zur Gegenrede melden? Die Regierungen. Der Staatsrundfunk läßt grüßen.

Noch sind Stoltenbergs Vorschläge nur Diskussionsgrundlage. An den Trägern der Drei-Länder-Anstalt wird es liegen, das Beste daraus zu machen: zum Wohl des zweitgrößten deutschen Senders und damit auch zum Weiterbestand der ARD. Auf dem Prüfstand steht eines der wichtigsten Symbole für den Konsens in diesem Land. D. B.