Die Entscheidung über den Zusammenschluß zweier Fluggesellschaften wird verschoben

Das Bundeskartellamt ist sich mit den Betroffenen einig: „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Es sind beide Möglichkeiten drin“, sagt Silvio Malitius, Berichterstatter der 6. Beschlußkammer des Bundeskartellamtes in Berlin. „Ich halte beide Entscheidungen für möglich“, sagt auch Horst Willner, Vorstandsmitglied der Hapag-Lloyd AG und dort zuständig für das Fluggeschäft. Zwar hatte die Konsumgesellschaft Hapag-Lloyd Flug GmbH bereits im Frühjahr vergangenen Jahres von dem Münchner Unternehmer Joseph Schörghuber die Konkurrenz Bavaria Germanair GmbH gekauft, aber bis heute ist unklar, ob eine Fusion der beiden Gesellschaften in den Augen der Wettbewerbshüter Rechtens ist oder nicht.

Bis zum 14. Juli hatte die Behörde entscheiden sollen (das Gesetz gibt zwölf Monate Zeit zur Bearbeitung einer Fusionsanzeige); doch jetzt mußte sie die Betroffenen um die Verlängerung der Frist bitten. Eine Umorganisation und personelle Veränderungen beim Bundeskartellamt führten zu Verzögerungen genauso wie ein umfangreiches Gutachten, das Hapag-Lloyd über die Wettbewerbslage erstellen ließ.

Der Fristverlängerung stimmte Hapag-Lloyd sicher leichten Herzens zu; denn mit der Länge des Verfahrens dürfte sich die Behörde immer schwerer tun, wirtschaftliche Tatsachen durch ein rechtlich begründetes Fusionsverbot aufzulösen. Trotz juristischer Selbständigkeit der beiden Charterfluggesellschaften besteht nämlich bereits eine weitgehende – und vom Bundeskartellamt genehmigte – Kooperation.

Es gibt beispielsweise eine Personalunion bei der Geschäftsführung; der Einkauf wie auch der Verkauf der Flugkapazitäten sind „harmonisiert“. „Wir haben nichts getan, was nicht wieder rückgängig gemacht werden kann“, erklärt Willner von Hapag-Lloyd; doch daß mit dieser genehmigten Kooperation Weichen gestellt sind, darauf dürfte er wohl hoffen. Nicht umsonst wurde wohl die freiwillige Fusionsanmeldung, die dem Kartellamt nur vier Monate Zeit zur Entscheidung gegeben hätte, zurückgezogen und die Form der Anzeige gewählt, die lediglich in zwölf Monaten bearbeitet werden muß.

Wirtschaftliche Tatbestände machen es auch in anderer Hinsicht dem Bundeskartellamt so schwer, ein Fusionsverbot zu erlassen. Ohne einen Kauf durch Hapag-Lloyd, so Willners Argumentation, hätte Bavaria Germanair die notwendige Erneuerung des Großteils der Flugzeugparks (es geht um den Ersatz von sieben BAC 1-11; daneben verfügt die Gesellschaft über vier Airbusse A-300) nicht geschafft. Die Gesellschaft wäre dann, so Hapag-Lloyd, am Ende gewesen.

Für so schwach hält das Bundeskartellamt zwar die Bavaria Germanair nicht, zerpflückt aber das Argument nicht völlig. Die theoretische Konsequenz dieser düsteren Perspektive: Die Gesellschaft wäre ohnehin eines Tages verschwunden (andere Käufer gab es nicht), und Hapag-Lloyd hatte eine Expansion betreiben können, durch die ähnliche Marktverhältnisse wie durch den Kauf der Konkurrent entstanden wären.