Von Ingo Heimfeld

An der Tür meines Beratungszimmers klopft es. Ein junger Mann mit Aktenkoffer tritt ein, stellt sich vor und nimmt mit lässig übereinandergeschlagenen Beinen an dem kleinen Beratungstisch Platz.

Er habe im vergangenen Monat sein Betriebswirtschaftsstudium beendet, erklärt er mir. Nun suche er eine „Position“ im Ausland. Für den Anfang vielleicht als Assistent der Geschäftsleitung in einem deutschen Auslandsunternehmen. Die Bezahlung müsse natürlich höher sein als im Inland, um einen angemessenen Lebensstandard garantieren zu können. 5000 Mark würden zu Beginn wohl reichen.

Dieses Gespräch ist vielleicht kein ganz typisches Beispiel für die rund 150 schriftlichen und mündlichen Anfragen nach einer Auslandstätigkeit, die täglich bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) eingehen. Die meisten Bewerber sind realistischer, aber trotzdem herrschen bei vielen falsche Vorstellungen über die Möglichkeiten, im Ausland zu arbeiten.

„Hallo Freunde in der ZAV“, schreibt frischfröhlich eine Studentin, „welche Jobs gibt’s bei Euch in Frankreich während der Sommerferien?“ – Sie hat Pech. Die Plätze für die Weinlese in Frankreich sind schon vergeben; sie kann sich Anfang des nächsten Jahres noch einmal bewerben.

Tatsächlich verbringen viele Studenten ihre Semesterferien mit einem Job im europäischen Ausland, manche auch in Übersee. Das große Geld ist dabei nicht zu machen, aber es reicht für Unterkunft und Verpflegung, neue Eindrücke können gewonnen und Bekanntschaften geschlossen werden.

Ein vorbestrafter Bewerber erzählt mir sein Schicksal und murmelt etwas von einem neuen Anfang. Jeder müsse doch noch einmal eine Chance bekommen. Ich erkläre ihm behutsam, daß es Vorbestraften praktisch verwehrt bleibt, ins Ausland vermittelt zu werden. Spätestens bei der Vorlage des polizeilichen Führungszeugnisses verweigert die ausländische Botschaft das Visum.’