Die Sommerzeit, die in der Bonner Aufregung um eine drohende Protestpartei augenblicklich ein bißchen zu kurz kommt, wird bis auf weiteres vertagt. Die Bundesregierung weigerte sich soeben in der EG, einem einheitlichen Beschluß zuzustimmen, mit Hinweis auf Berlin. In der Stadt soll keine Zeitgrenze gezogen werden.

SED-Chef Honecker hatte erst jüngst Bundeskanzler Schmidt mitgeteilt, die DDR bleibe dabei, die Sommerzeit nicht einzuführen. Wenn Bonn dennoch für die Sommerzeit optierte, gingen in West- und Ostberlin die Uhren künftig um eine Stunde auseinander. Berlin (West) könnte sich allenfalls damit trösten, wenigstens in zeitlicher Hinsicht konstitutiver Bestandteil der Bundesrepublik zu sein.

Der Berliner Senat übrigens hatte für die Sommerzeit plädiert, der DGB dagegen, Koalition und Opposition demonstrierten Gemeinsamkeit. Noch vor der Sommerpause soll ein Gesetz verabschiedet werden, das es der Regierung jederzeit erlaubt, ein neues Zeit-Zeichen zu setzen. Die Sommerzeit tickt auf Abruf.

Umarmen, anpassen, integrieren oder kaltstellen? Alles wird erwogen – und möglichst alles zur gleichen Zeit. FDP und Bundesinnenministerium beteuern, den Umwelt- und Naturschutzverbänden ein gesetzlich verankertes Klagerecht einräumen zu wollen, die Genehmigungsverfahren für Reaktor- und Atommüllanlagen sollen transparenter und die Auflagen strenger werden.

Die SPD will neue Orientierungsdaten für den Zielkonflikt zwischen Arbeitsmarkt- und Umweltinteressen suchen und sähe es nicht ungern, wenn die FDP sich wieder schärfer als Umweltschutzpartei profilierte.

Hessens Ministerpräsident Holger Börner hat im Eifer des Gefechts den Eindruck erweckt, er wandele jetzt spontan in den Spuren der Atomenergiegegner, weil er die Erweiterung des Atomkraftwerks Biblis um den dritten Reaktor, Block C, als überflüssig bezeichnete.

Bisher hatte er zwar auch schon immer ein Hintertürchen für eine Entscheidung gegen die Vergrößerung des Atomparks offengehalten, aber diesmal reagierte die FDP verletzt: Börner mache es sich „zu leicht“. Im übrigen aber: auch ihr Wirtschaftsminister Karry dürfe nicht zu den großen „KKW-Erbauern“ gerechnet werden.