Es verschwindet eine Fülle feiner Unterscheidungen, höflicher Umgangsformen, spielerischer Zwi- – schentöne, kurz, ein Stück Kultur.

Hans Maier, bayerischer Kultusminister, in einer Klage über das allmähliche Aussterben der Anrede „Fräulein“. Vielleicht sollte der Minister seine Trauer in die politische Tat umsetzen und das untergehende ,,Fräulein“ retten. Helfen kann nur eine neue Partei! Zu den „bunten Listen“ die Fräulein-Partei (Vorsitzender: Hans Maier. Stellvertreter: Roswitha von Gandersheim).

Krieg um Nofretete

Gesagt und im „Neuen Deutschland“ zu lesen war es schon oft, jetzt ist es im DDR-Gesetzblatt vom 9. Mai von Amts wegen festgestellt: daß, gemäß einer „Verordnung über den staatlichen Museumsfonds der Deutschen Demokratischen Republik“ vom 12. April 1978 rund zehntausend Kunstgegenstände, die zur „Stiftung preußischer Kulturbesitz“ in West-Berlin gehören, „Volkseigentum“ der DDR seien. Mit der Bitte um Rücksendung. Spektakulärster Posten der Liste, zu der 558 Gemälde (darunter etliche von Rembrandt) gehören: die Nofretete (für deren Rückgabe nach Kairo gerade andere Stimmen plädieren). Begründung des Anspruchs; die geforderten Objekte waren vor ihrer Auslagerung während des Krieges in den Gebäuden der „Museumsinsel“ lokalisiert, welche wiederum zum heutigen Ost-Berlin gehört. Weitere Begründung: Berufung auf die Haager Konvention von 1954, derzufolge Nationen, die gegeneinander Krieg geführt haben, nach Beendigung des Konfliktes erbeutetes Kulturgut zurückgeben müssen. Wodurch wir, wieder einmal, Nachricht erhalten von einem Krieg, der bisher und immer noch nicht in den Geschichtsbüchern verzeichnet ist. Aber wer einmal in Buchenwald war, weiß ja, daß die Judenvernichtung durch die Bundesrepublik stattfand. Als Belohnung für die materiellen und immateriellen Zugeständnisse winkt die DDR übrigens mit dem seit langem verhandelten Kulturabkommen. Aber was soll uns das wiederum ohne Friedensvertrag? Wenn schon, denn schon.

Der Lenz ist da

Was schreibt ein Bestseller-Autor? Natürlich Bestseller. Weitergehende Fragen (nach dem Thema des Buches etwa, seinem Titel, seiner Qualität) sind eher unerwünscht. Wenn ein Autor ein Bestseller-Autor geworden ist, schreibt er eben Bestseller, auf Einzelheiten kommt es da schon nicht mehr an. Wie rabiat und wie hirnlos das Geschäft mit den Erfolgsautoren betrieben wird, dafür lieferte jetzt der Hoffmann und Campe Verlag ein schönes Exempel. In einer doppelseitigen Anzeige im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ verkündet der Verlag im Trompetenton: „Am 25. August erscheint der neue Roman von Siegfried Lenz, Das Leseexemplar ist an Sie unterwegs.“ Dazu abgebildet: eine Buchhülle mit dem Porträt des Autors, aus der der (offenbar voluminöse). Band herausguckt. Lesbar: der Name des Autors, Siegfried Lenz. Sonst nichts. Wer den Titel des Buches wissen möchte, erfährt ihn auf den beiden Seiten von Hoffmann und Campe nicht, Ist ja auch egal. Hauptsache, der neue Lenz ist da. Natürlich ein Bestseller. PS für Insider und Intellektuelle: Siegfried Lenz’ neues Buch hat den Titel Heimatmuseum

Narren in Bochum

Sofort nach der Fußballweltmeisterschaft droht eine neue Lustbarkeit: vom 29. Juni bis zum 2. Juli findet in der schönen Stadt Bochum an der Ruhr ein „Festival of Fools“ statt. Von den zahllosen Narren, die sich in Bochum treffen, seien nur einige aufgezählt, die mit den klangvollsten Namen: die „Trumbunich Mimes“, die „Moving Picture Mime Show“, die „Great Salt Lake Mime Troupe“ und das (famose) „Spiderwoman Theatre“ aus New York.