Von Helga Wingert-Uhde

Zehntausend Jahre zwischen Weide und Wüste“ – unter diesem Motto eröffnet die Kölner Kunsthalle am 16: Juni eine Ausstellung, die für Europa einmalig ist. Am Extrembeispiel der Wüste Sahara wird gezeigt, in welchem Maße der Mensch den Veränderungen seiner Umwelt standhalten, sich ihnen anpassen kann.

Zum erstenmal in der Geschichte der Saharaforschung, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts begann, haben sich zu diesem Zweck Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen zusammengetan und ein Bild der „großen Wüste“ entworfen, das manchen Besucher überraschen mag.

Auf dem riesigen Weltraumphoto, das am Anfang der Ausstellung steht, springt die Sahara dem Betrachter ins Auge wie ein fremder, öder Stern. Nur schwer kann man sich vorstellen, daß auf diesem sieben Millionen Quadratkilometer großen Trockenschuttraum Tiere, Pflanzen und sogar Menschen überleben können. Mehr noch. In den letzten Jahren ist den Archäologen der Nachweis gelungen, daß mitten in der Zentralsahara ein kulturelles Zentrum bestand, lange bevor die ersten Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten entstanden.

Die Sahara war nicht immer so trocken wie heute, da sie in den südlichen Randzonen jährlich um etwa einen Kilometer vordringt.

Zwar liegen weite Strecken der „Rotbraunen“ seit urdenklichen Zeiten wüst und verlassen. Andere Zonen jedoch waren Klimaschwankungen unterworfen, und in einigen Gebieten gab es ausgesprochene Feuchtigkeitsphasen. Allerdings sind die genauen Daten noch ungeklärt, und ob sich ein regulärer Klimarhythmus für die Sahara erarbeiten läßt, ist ungewiß. Fest steht, daß die letzte Feuchtigkeitsperiode der Sahara um 10 000 v. Chr. zu Ende ging – damals, als in Europa die Gletscher der letzten Eiszeit schmolzen. Um diese Zeit nämlich begannen die Menschen der Sahara, ihre Umgebung auf Tausenden von Felsbildern festzuhalten. Diese Zeichnungen verraten sehr genau, wie sich im Laufe der Zeit die Umwelt veränderte, aber sie lassen auch erkennen, daß sich das Selbstverständnis des Menschen wandelte.

Die ersten Bilder wurden in Stein geritzt. Elefant, Flußfperd, Nashorn, Löwe, Antilope und der Bubalus antiquus mit seinem Geweih von 2,50 Meter Spannweite (ein Altbüffel, der dieser Epoche den Namen gab) sind meist einzeln dargestellt und großflächig in den Fels eingeschliffen. Menschen sind nur in seltenen Fällen abgebildet, etwa auf der Jagd oder bei einem Ritual.