Postminister Kurt Gscheidle wird sich auf mehr als nur ein administratives Geplänkel zwischen Beamten seines Hauses und des Wirtschaftsministeriums einrichten müssen. Bei dem Streit zwischen den beiden Ressorts geht es um die Einführung des neuen Fernkopiernetzes (Telefax) über das Fernmeldenetz der Bundespost.

Weil Postminister Kurt Gscheidle als Mitanbieter von Kopiergeräten auftreten will, befürchten die Wettbewerbshüter von Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff eine Beschränkung des Wettbewerbs auf diesem neuen Geräte-Markt.

Die Bedenken, die dem Postministerium per Brief mitgeteilt wurden, sind nicht ganz unbegründet. Das Wirtschaftsministerium sorgt sich nämlich, beim Telefax werde sich wiederholen, was im Telephonbereich schon Tradition ist, wo die Post und deren Hoflieferant Siemens quasi eine Monopolstellung hatten.

Wie Postsprecher Manfred Bergmann beteuert, wolle die Post keineswegs als alleiniger Geräteanbieter auftreten, obwohl dies rechtlich sogar möglich sei. Sie wolle alle Geräte zulassen, sofern sie den technischen Anforderungen entsprechen. Die Post möchte im übrigen nur mit gekauften Geräten einer Firma als Mitbewerber auftreten.

Den Kartellreferenten im Wirtschaftsministerium, Ministerialrat Dieter Wolf, befriedigt das allerdings keineswegs: „Die Sache ist noch nicht ausgestanden.“

Auch wenn die Post nur als ein Geräteanbieter von vielen auftritt, hätte sie die Möglichkeit, zusammen mit ihrem Hoflieferanten alle anderen Anbieter auf kaltem Wege vom Markt zu drängen; sei es über das Gebührenmonopol oder aber über technische Zulassungsbedingungen, die von der Post bestimmt werden.

Darüber hinaus könnte die Post im gesamten öffentlichen Sektor großen Einfluß darauf ausüben, daß nur solche Telefax-Geräte beschafft werden, die von der Post angeboten werden.