So manchem Bekannten habe ich schon zu einer Putzfrau verholfen, nur als ich selber eine brauchte, Tücke des Schicksals, war ich ratlos. Na klar, erst einmal habe ich versucht, auf die Mundpropaganda zu bauen. Doch was, wenn das goldene Wort der Zeitungsfrau am Bahnhofskiosk versiegt? Wenn der kluge Rat der argusäugigen Nachbarin, der so leicht keiner meiner Junggesellenschritte entgeht, wider Erwarten versagt? Und sich die Staubflocken unterm Bett im dritten Monat immer höher türmen?

Ich gab eine Anzeige auf, fahndete vier Druckzeilen lang nach einer „Hilfe im Einpersonenhaushalt“ (so, hanseatisch-vornehm, die gültige Hamburger Terminologie) und wartete.

Noch am selben Abend klingelt das Telephon: „Ich rufe wegen Ihres Inserats an.“ Ich erstarre. Darauf bin ich nicht gefaßt. Doch als sei es das Selbstverständlichste der Welt, fährt die sonore Männerstimme am anderen Ende der Leitung fort: „Ich möchte mich bewerben.“ So formvollendet bietet er mir seine Dienste an, daß ich denke: Der macht das nicht zum erstenmal. Ich hingegen wohl! Um mir meine Verblüffung nicht anmerken zu lassen, spule ich die Fragen herunter, die ich mir zurechtgelegt hatte, erfahre, daß mein unsichtbares Gegenüber Student ist, kurz vor der Promotion, es geht ihm ums Geld, sagt er, und, insistierend: „Ich verstehe mich auf diese Tätigkeit.“

Das will ich überhaupt nicht abstreiten, obwohl ich, Routine in der Stimme, andeute, daß da noch ein paar Bewerberinnen... (wäre es doch so!), und lasse mich lässig auf einen Vorstellungstermin ein. Dienstag um neun also.

Uff. noch mal. Wolfgang Nagel

Als ich auflege, ärgere ich mich über mich selber. Da müht man(n) sich leidlich, Verständnis aufzubringen für die Emanzipation der Freundin, hat sein Bewußtsein auch schon so weit, daß Opfer nicht mehr als Opfer empfunden werden, glaubt gar, die gemeinsame partnerschaftliche „Arbeit“ trage bald Früchte – und ist doch wieder ganz der alte, wenn der erste emanzipierte Mann vor einem steht. Immer wieder rutscht mir diese Vorstellung ins Hirn: Wie da einer, der alle Rollenzwänge und -Verteilungen selbstsicher überwunden hat, einer, dem Hausarbeit als Komplementär zur Examenspaukerei sogar Spaß macht, wie da ein Doktorand bei mir zu Hause Ajax auf die Bürste streut.

Angesichts solcher Phantasien und voller Skrupel hoffte ich inständig darauf, daß der nächste Anruf so schnell käme wie der erste. Doch das Telephon blieb stumm. Das Ende der Geschichte ist leider so plump, wie nur „das Leben“ es schreiben kann: ständig möchte man hineinredigieren. Dienstag um neun klingelte natürlich niemand an meiner Tür, ich war, wie mir erst jetzt dämmerte, einem (Studenten-)Ulk aufgesessen. Doch der Ärger wich ganz schnell der Erleichterung, einem Hausmann aus Leidenschaft noch nicht begegnen zu müssen.

Und das mit der Putzfrau überleg ich mir auch