Von Ulrich Schiller

Washington, im Juni

Die amerikanische Regierung will den Streit um die Frage kubanischer Mitverantwortung beim Einfall der Katanga-Rebellen in die Provinz Shaba so rasch wie möglich beenden. Das Weiße Haus hatte sich selbst in die Zwickmühle gebracht, weil es die kubanische Mitschuld an der Invasion brandmarkte, ohne sie eindeutig zu belegen. Konnte die Regierung keine Beweise auf den Tisch legen, oder wollte sie nicht? Der darüber in den Medien ausgetragene Disput belastet seit Tagen die amerikanische Politik.

Das Außenministerium bangt um die bescheidenen Erfolge seiner neuen Afrika-Politik, weil die Afrikaner ihren Argwohn genährt sehen könnten, doch nur Objekt im west-östlichen Interessenkonflikt zu sein. Der Nachrichtendienst CIA sorgte sich um seinen ohnehin angeschlagenen Ruf, weil sein Memorandum von der Rolle Kubas bei der Ausbildung, Beratung und Ausrüstung der Katanga-Rebellen angezweifelt wird. Im Kongreß fragt man sich, ob der Präsident seine Attacken gegen Kuba wirklich durchstehen könne.

Castro hatte Anfang voriger Woche zwei demokratische Kongreßabgeordnete und einige amerikanische Journalisten zu sich nach Havanna gerufen, um ihnen in mehrstündigen Interviews klarzumachen, daß die schweren Vorwürfe Washingtons, Kuba sei ein Mitverschwörer der Zaire-Invasion gewesen, eine "absolute, totale und vollständige Lüge" seien. Castro nannte auch gleich den Hauptschuldigen. In einem Fernsehinterview bezeichnete er den Sicherheitsberater des Präsidenten, Brzezinski, als einen Abenteurer und Lügner, der mit dem Feuer des Krieges spiele.

Die beiden Kongreßabgeordneten waren von Castros Argumenten offenbar beeindruckt. Sie sahen sich in ihren Zweifeln an den Behauptungen des CIA-Chefs Turner bestärkt. Die Informationen Turners sind offenbar mit dem später für die Öffentlichkeit "gereinigten" CIA-Memorandum identisch. Darin heißt es:

  • Sowjetische und kubanische Berater hätten den Präsidenten von Angola, Neto, im Sommer 1976 ersucht, Angriffe von Katanga-Rebellen auf Zaire zu unterstützen.
  • Kubanische Truppen hätten den Katanga-Einfall in Zaire vom März 1977 aktiv unterstützt.
  • Im August 1977 seien mehr als 5000 Katanga-Soldaten kubanischen und ostdeutschen Instrukteuren unterstellt gewesen.