Von Heinz-Günter Kemmer

Mit gemischten Gefühlen begab sich Rudolf v. Benningsen-Foerder, Vorstandsvorsitzender der Veba AG, am Dienstag vergangener Woche nach Bonn. Er mußte den Vertretern seines Großaktionärs – der Bund ist mit 43,7 Prozent an der Veba beteiligt – ein Geschäft erläutern, das zumindest auf dem ersten Blick der Devise widerspricht, unter der die Veba angetreten ist: als großer nationaler Ölkonzern die Versorgungssicherheit der Bundesrepublik zu erhöhen.

Nun galt es vor allem dem Staatssekretär Detlev Rohwedder, einer der Bonner Emissäre im Veba-Aufsichtsrat, davon zu überzeugen, daß eine geschrumpfte Veba für die Bundesrepublik besser ist als der Konzern in seiner bisherigen Struktur, daß der Verkauf von Raffinerien, Handelsaktivitäten und Tankstellen an die BP sozusagen dem Gemeinwohl dient.

Für die Vertreter der Bundesregierung ging es dabei auch um ein Stück Selbstrechtfertigung – sie hatten schließlich mit massiver finanzieller Unterstützung aus der Staatskasse die Übernahme von Gelsenberg durch die Veba erst möglich gemacht. Angebahnt hatte sich diese Übernahme zwar schon vor Ausbruch der Ölkrise, den richtigen Dampf bekam die Sache aber erst, nachdem die Scheiche mit dem Spiel am Ölhahn begonnen hatten.

Doch was damals in Bonn als eine Großtat nationaler Energiepolitik gefeiert und von der Veba als gewinnträchtiges Geschäft betrachtet wurde, erwies sich bald als bittere Enttäuschung. Die Architekten der Fusion wurden ihres Werkes nicht froh, sondern sahen sich rasch existenzbedrohenden Verlusten im Ölgeschäft gegenüber, die sich bei Veba und Gelsenberg zusammen bis Ende 1977 auf etwa 1,3 Milliarden Mark summierten. 850 Millionen Mark mußte die Veba verdauen, 350 Millionen Mark waren es bei Gelsenberg.

Statt mit den ursprünglich erwarteten Gewinnen eigene Rohölpositionen aufzubauen, war die Veba vollauf damit beschäftigt, einen Damm gegen die Verluste zu schaffen. Dabei kam es zu einem Grabenkrieg mit den deutschen Ablegern der Ölkonzerne Esso und Shell, die einen von BP und Veba angepeilten Öldirigismus ablehnten und sich in der glücklichen Lage sahen, Verluste aus dem laufenden Geschäft mit Gewinnen aus der Förderung von Öl und Gas in der Bundesrepublik ausgleichen zu können. Von Vorwärtsstrategie konnte daher bei der Veba sehr rasch keine Rede sein – den Veba-Chef beschlich mehr und mehr die Angst um die Zukunft seines dem Umsatz nach größten deutschen Konzerns.

So trat er schließlich die Flucht nach vorn an und verkaufte einen Teil seines „nationalen Ölkonzerns“, um den Rest zu retten. Von der Bonner Reaktion auf seine Verkaufspläne wurde der adlige Konzernchef angenehm überrascht. Die Herrn nickten beifällig und schufen so die Voraussetzung dafür, daß der Aufsichtsrat 48 Stunden später das spektakuläre Geschäft absegnete, von dem sie ausnahmsweise einmal nichts vorher in den Zeitungen gelesen hatten.