Hervorragend

Mink DeVille: „Return To Magenta.“ Das kehlige Soul-Vibrato in Willy DeVilles Stimme ist für mich schlicht ein Naturereignis der Rockmusik, wie man’s selten findet. Er imitiert nicht schwarze Vorbilder, seine Stimme klingt sogar bei einer akustischen und üppig mit Harmonika- und Streicherbegleitung arrangierten Ballade wie „I Brake That Promise“ pechschwarz. Der Komponist Willy DeVille greift auf die besten Traditionen des Rhythm & Blues zurück – der Einfluß der Drifters, Bo Diddleys und der frühen Stones ist unverkennbar. Soul-Rock von solch klassischem Kaliber war lange nicht mehr zu hören, nachdem Van Morrison und Ben E. King ihre Rock-’n’-Roll-Schuhe an den Nagel hängten. (Capitol 1C 064-85 461) Franz Schöler

Hörenswert

Jehan Alain: „Orgelwerke.“ Geboren 1911, mit 16 Jahren am Pariser Conservatoire, dann Organist in Maison Lafitte, 1940 gestorben: Jehan Alain hätte ein zweiter Olivier Messiaen werden können. Die Anfänge: Improvisatorisches, Experimente in der Verschmelzung orientalischer Rhythmen mit mitteleuropäischer Harmonik, die an den Impressionismus anknüpft und in Poly-Strukturen mündet – übereinandergeschichtete Metren, Klangfelder, harmonische Beziehungen. Visionen scheinen darin enthalten zu sein, Mystik, aber auch logisch gebaute Formalismen. Wolfgang Rübsam spielt die spätromantisch eingefärbte, aber klar auf Werktrennung angelegte Rieger-Orgel der Abteikirche Marienstatt mit viel Düsternis und inbrünstig erscheinenden Klangformationen, virtuos aber auch mit gelegentlich-aggressiver Artikulation; vor allem die sehr farbigen Zungenstimmen verleihen dem insgesamt eher akkordischen Satzbau immer wieder Transparenz und setzen Akzente. Eine notwendige Ergänzung des in frühmoderner Literatur nicht gerade gut sortierten Orgelplatten-Repertoires. (Da Camera Magna CM 93 264 – 66) Heinz Josef Herbert