Das Studium muß neu organisiert werden

Von Claus Voland

Zweieinhalb Jahre, nach dem Inkrafttreten des Hochschulrahmengesetzes (HRG), das die Neuorganisation des Studiums an deutschen Hochschulen bundesweit verpflichtend vorschreibt, hat sich diese Woche endlich die ständige Kommission für die Studienreform in Bonn konstituiert. So lange rangelten die Länder und die Hochschulen, bis sie sich auf die Mitglieder der Kommission geeinigt hatten: Sie besteht aus elf Vertretern der Hochschulen einschließlich zwei Studenten und zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern und aus elf Länder-Vertretern. Beratende Mitglieder entsenden der DGB, die Arbeitgeberverbände, das Bundesbildungsministerium, die Bundesanstalt für Arbeit und die kommunalen Spitzenverbände. Die Kommission erteilte Arbeitsaufträge für die Reform, des Studiums in acht Fächern, darunter Elektrotechnik, Architektur und Bauingenieurwesen. Drei Fachkommissionen, nämlich für Chemie, Zahnmedizin und Wirtschaft haben mit ihrer Arbeit bereits begonnen.

Als Anregung und Anstoß für die Studienreformkommission hat Bundesbildungsminister Jürgen Schmude vor einigen Tagen 22 Orientierungspunkte zur Hochschulausbildung vorgelegt. Darin werden nicht nur die Schwächen des heutigen Studienbetriebs benannt, sondern auch Vorschläge für Änderungen gemacht. Schmude warnt davor, die Studienreform auf die Reglementierung der Studienzeit zu beschränken. Er will keine „rigorose Verkürzung der Studiengänge“, sondern deren Straffung, verbunden mit besseren didaktischen Methoden. Dies verspreche mehr Erfolg, als die zeitaufwendige Planung und Einführung neuer Studiengänge. Für Schmude sind Regelstudienzeiten ein Auftrag an die Hochschulen, das Studienangebot zu verbessern. Die Studierenden nimmt der Minister in Schutz: „Die Regelstudienzeiten dürfen nicht zu einem Druckmittel gegen die Studenten verfälscht werden.“ Schmude schlägt analog dem HRG ein Studium vor, das sich in folgende Stufen gliedert:

  • Ein breit angelegtes drei- bis vierjähriges Grundstudium, dessen Abschluß für einen Beruf qualifizieren muß.
  • Ein Ergänzungsstudium, mit dem zusätzliche Kenntnisse aus anderen Fächern als denen des Grundstudiums erworben werden können; zum Beispiel ein Mathematiker oder Ingenieur erweitert sein Wissen um Jura oder Wirtschaftswissenschaften.
  • Ein Zusatzstudium von ein bis zwei Jahren vor alle in für Absolventen der Fachhochschule, die auf Universitäten und technischen Hochschulen ein zweites Examen machen wollen. Das Zusatzstudium wäre kürzer als das bisher übliche „Zweitstudium“.
  • Ein Aufbaustudium für künftige Wissenschaftler und Forscher.

Innerhalb dieser Gliederung des Studiums sollen die einzelnen Studiengänge differenzierter angelegt werden. Vorgesehen sind während des Grundstudiums Pflichtveranstaltungen und Wahlpflichtveranstaltungen, die dem Studenten die Möglichkeit geben, sich auf bestimmte Schwerpunkte zu konzentrieren. Außerdem. soll der Praxisbezug des Studiums verstärkt werden. Dazu heißt es in den Orientierungspunkten: „In vielen Fachrichtungen ist. die Ausbildung noch immer zu einseitig in der Zielvorstellung der ,Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses‘ vor allem für die Hochschulen selbst orientiert und zu wenig auf die beruflichen Perspektiven der Mehrheit der Studenten ausgerichtet.“ Der Bezug zur Praxis; soll einmal durch Auswahl und die Art der Vermittlung des Studienstoffes hergestellt werden, zum anderen auch durch „Praxis-Semester“ in Betrieben und Verwaltungen, Außerdem wird unter dem Stichwort „Praxisbezug“ noch verlangt: Hochschullehrer und Assistenten sollen die Möglichkeit, erhalten, für gewisse Zeiten außerhalb der Hochschulen zu arbeiten. Also ein Wechsel zwischen Tätigkeiten in der Hochschule und der Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst.