Von Andreas Kohlschütter

Genf, im Juni

Der Genfer Öl-Kongreß tanzte nicht und marschierte nicht: Er drehte sich mit naturgesetzlicher Anziehungskraft um den Öl-Giganten Saudi-Arabien, diesen kursbestimmenden Pol der „Organisation Erdöl exportierender Staaten“ (Opec), und er kreiste wieder einmal um Achmed Saki Jamani, den tempobestimmenden Schrittmacher im Kreise der dreizehn Opec-Ölminister.

In der Konferenz-Kulisse des Intercontinental-Hotels stand Jamani drei Tage lang als Hauptakteur im Rampenlicht, auf Schritt und Tritt verfolgt von geballt strahlenden TV-Scheinwerfern und gedrängt stoßenden Journalisten. Jede seiner Bewegungen bildete Stoff für Diskussionen und Spekulationen. Ging er milde gestimmt nur auf Toilette, oder zog er sich zornig in seine Gemächer zurück? Stieg er in seinen silbergrauen Rolls-Royce nur, um Kronprinz Fahd am Flughafen zu umarmen oder um selbst abzufliegen und seine widerspenstigen Kollegen sitzen und schmoren zu lassen? Dem unwiderstehlichen Jamani-Zauber erlagen auch geschäftstüchtige Schweizer Juweliere, die in den Hotelvitrinen kostbar-funkelnde Allah-Broschen und goldene, mit Rubinen verzierte saudische Staatswappen zum Verkauf auslegten.

Träume von der guten, alten Zeit

Drei Tage lang dauerte die Opec-Schau in Genf. Scheich Jamani und sein König Khaled können mit dem Ergebnis zufrieden sein: Die Ölpreise bleiben eingefroren, der Preisstopp wird um weitere sechs Monate verlängert, das heißt bis zu der nach Abu Dhabi einberufenen Weihnachtskonferenz. Debattiert wurde über alles, entschieden wurde nichts: keine Ölpreiserhöhung, kein Ersatz des Dollars als Leitwährung und Berechnungsgrundlage, keine kollektive Produktionsdrosselung.

Die Preistreiber, vor allem die Algerier, Libyer, Iraker, auch Venezuela, Nigeria, Indonesien, die solche Maßnahmen anstrebten, mußten zähneknirschend verzichten, weil Saudi-Arabien nein sagte, unterstützt diesmal vom Iran. Die Genfer Ölminister-Konferenz wurde zur Demonstration von saudiarabischer Macht und Opec-Ohnmacht.