Sehenswert

„Münchhausen“ von Josef von Baky. Die Schlacht von Stalingrad war bereits verloren, als dieser Jubiläumsfilm zum 25jährigen Bestehen der Uli am 5. März 1943 in Berlin Premiere hatte. Prunkräume und Märchenlandschaften, orientalische Harems-Erotik und venezianischer Karneval, Kerzengeflimmer in Ballsälen und Sonnenaufgänge über Lagunen: mitten im Krieg hatte man keine Kosten gescheut, für dieses Prestige-Opus, das unter der Schirmherrschaft von Joseph Goebbels entstand. Vom Ritt auf der Kanonenkugel bis zum Ballonflug auf den Mond erwiesen sich die Abenteuer des fabulierenden Freiherrn als ein Flug in die Phantasie, die selbstvergessen über Schwerkraft und aktuelle Schwierig-; leiten triumphierte. Vor allem über deutsche Schwerfälligkeit Diese geglückte Kombination aus spielerischer Ironie, märchenhafter Phantastik und melancholischem Pathos war das Resultat eines ziemlich ungewöhnlichen Teams: ein Ungar führte Regie; ein verfemter Autor schrieb das Drehbuch (Erich Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger); ein Russe besorgte die Farbdramaturgie und die exzellenten Tricks (Konstantin Irmen-Tschet). Und der Goebbels verhaßte Kinoliebling Hans Albers spielte die Hauptrolle: die bekannte robuste Siegerpose,. gebrochen mit resignativem Charme. Hinzu kam ein Aufgebot renommierter Stars: Käthe Haack, Brigitte Horney, Ilse Werner, Ferdinand Marian, Hubert von Meyerinck, Leo Slezak. Den nach dem Krieg nur in gekürzter und farblich verfälschter Fassung aufgeführten Film hat die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in langjährigen Recherchen nunmehr integral rekonstruiert. Manches mag heute ein wenig verstaubt und operettenhaft anmuten – doch die verspielte Opulenz überwiegt. Überzeugend,

Helmut W. Bang

Empfehlenswerte Filme

„halbe-halbe“ von Uwe Brandner. „Mord an einem chinesischen Buchmacher“ von John Cassavetes. „Eine Reise ins Licht“ von Rainer Werner Fassbinder. „Die Spitzenklöpplerin“ von Claude Goretta. „Eine entheiratete Frau“ von Paul Mazursky (siehe Seite 48).