Castro bestreitet energisch jede Unterstützung der Katanga-Gendarmen

Von Horst Bieber

Von Theorie und Politik hat der Dr. jur. Fidel Castro Ruz, Jahrgang 1917, nie viel gehalten. Er glaubte schon immer an den Segen der kämpferischen Tat, die allein seine drei großen Träume realisieren könne: Freiheit, Gerechtigkeit, Unabhängigkeit. Wie alle großen Täter ist auch er ein großer Träumer, und er sähe sich sehr gern als einen Mann der Geschichte, der allen armen und unterdrückten Völkern individuelle Freiheit, soziale Gerechtigkeit und nationale Unabhängigkeit gebracht hat. Versucht hat er es – in Kuba erst, dann in Lateinamerika, jetzt in Afrika.

In den fast zwanzig Jahren, die Castro nun auf Kuba herrscht, hat er sich bescheiden müssen. Die wirtschaftliche Misere des eigenen Landes zwang ihn, die romantische, anarchische Phase seiner Revolution bald zu beenden und stattdessen das Zwangssystem einer Planungsbürokratie und Zentralverwaltung aufzubauen. Soziale Gerechtigkeit ist – gemessen an seinen Träumen – auf der Zuckerinsel nicht verwirklicht; verglichen mit anderen unterentwickelten Staaten dagegen in hohem Maße erreicht. Die nationale Unabhängigkeit zwischen den Supermächten mußte für einen Staat, der auf fremde Hilfe angewiesen war, wohl ein Wunschtraum bleiben – dennoch ist Kuba auch heute kein sowjetischer Satellit, sein Führer kein dienstbeflissener Befehlsempfänger.

Ganz im Gegenteil. Eine Zeitlang trachtete Castro, die sozialistischen. Habenichtse gegen die kommunistischen Großen in der Tricontinental-Bewegung zusammenzufassen und zwischen allen Supermächten die Gefolgschaft für einen eigenen Weg zu finden. Aus demselben Interesse trat er in das Lager der Blockfreien ein.

Geschichte, geographische Nähe, gesellschaftliche Entwicklung und wirtschaftliche Note Südamerikas sprachen dafür, das kubanische Guerilla-Modell erst einmal direkt vor der eigenen Haustür zu erproben. Es scheiterte. Die Guerilla fand nicht die Resonanz in der ländlichen Bevölkerung, die Regierungen hatten aus Kuba viel zur Selbstverteidigung gelernt. Mit Che Guevaras Tod in Bolivien, Oktober 1967, war dieses Kapitel abgeschlossen.

Aber auf allen afroasiatischen Konferenzen, die sich seit Mitte der fünfziger Jahre mit dem Kolonialismus oder den Folgen des Neokolonialismus beschäftigten, waren Kubaner vertreten. Dort wie auf den vielen Jugend-, Studenten- oder Anti-Imperialismus-Treffen in Havanna beteuerte Castro immer wieder, daß er seinen brüderlichen Beitrag gegen Kolonialismus und Imperialismus leisten wolle. Kaum bemerkt, schwärmten seit Mitte der sechziger Jahre immer mehr Kubaner nach Asien und Afrika aus – Ärzte, Lehrer, Techniker, aber auch militärische Instruktoren. Auch das war konsequent: Wie in vielen karibischen Staaten stammte über die Hälfte der Bevölkerung von Negersklaven ab; Kuba betonte stolz seine afrikanischen Wurzeln.