Beim Kreml besser aufgehoben

Inzwischen hatte Castro seinen Platz zwischen den Blöcken verlassen. Obschon er sich darüber lustig machte, daß Marx und Lenin ihn wohl als Ketzer verdammen würden, glaubte er seinen sozialistischen Traum bei der Sowjetunion immer noch besser aufgehoben als bei einem Kapitalismus mit sozialem Antlitz. Dann zwang ihn die Wirtschaftsnot, an der die von Washington betriebene Blockade großen Anteil hatte, zur Anlehnung an die Sowjetunion, am Ende auch zu politischen Konzessionen. Schließlich aber hatte er die "Skrupellosigkeit des Kapitalismus" fürchten gelernt. Keine Rede, in der er nicht die Machenschaften der CIA anprangerte; sie witterte er hinter allem und jedem, hinter den Sabotageakten auf der Insel, hinter den fast zwei Dutzend Mordanschlägen auf seine Person.

Züge persönlichen Verfolgungswahns? Mittlerweile wissen wir, daß die CIA mehrere Attentate gegen ihn organisiert hatte, von vergifteten Zigarren über Sprengstoff in seiner Kleidung bis hin zu jungen Damen (denen Castro stets gewogen war), die ihn ermorden sollten. Alle scheiterten, und alle bestärkten ihn in seiner Bereitschaft, gegen dieses System aktiv Hilfe zu leisten.

Zu den Gruppen, die um kubanische Unterstützung baten, gehörte schon Ende 1961 auch eine angolanische Befreiungsbewegung, die sich "Volksbewegung für die Befreiung Angolas" (MPLA) nannte und gerade ihren Kampf gegen die Portugiesen aufgenommen hatte.

Im April 1974 brach die portugiesische Revolution aus; der Abzug Portugals aus Angola stand bevor. Die marxistische MPLA stand vor dem Sieg, und in diesem Moment, so behauptet Castro, griffen Amerika und Portugal in die Trickkiste der Stammesrivalitäten. Washington – also die CIA – habe mit mehreren Millionen Dollar die prowestliche Befreiungsbewegung FNLA organisiert, die von Zaire aus operierte; Portugal schuf im Süden die neutralistische Unita. Südafrika sei dazu bestimmt gewesen, den militärischen Erfolg der MPLA zu verhindern und sei deswegen am 23. Oktober 1975 mit regulären Truppen einmarschiert. Am 5. November entschied Havanna, Militäreinheiten nach Angola zu schicken: "Andernfalls hätte Südafrika ganz Angola besetzt und übernommen."

So war es nun nicht. Die rivalisierenden Gruppen existierten und bekämpften sich schon seit langem; der Machtanspruch der MPLA war ungerechtfertigt, und die Ermächtigung, gegen äußere und innere Feinde die Kubaner ins Land zu rufen, sachlich wie rechtlich unhaltbar. Aber der Einmarsch der Südafrikaner bot den Schein einer Legitimation. Die Kubaner nutzten ihn. Einmal im Lande, taten sie viel, um die Herrschaft der MPLA zu stabilisieren und den verarmten Staat vor dem Kollaps zu retten. Dabei entsprach die Richtung, die sie einschlugen, keineswegs den Moskauer Vorstellungen. Angolaner wie Kubaner akzeptierten die sowjetische Hilfe, zahlten aber nicht mit einer bedingungslosen Einordnung in den Ostblock. Dies führte sogar zu einem Putsch der moskauorientierten Kommunisten gegen Präsident Neto, der einen pragmatischen, vielrassigen und afrikanischen Sozialismus vertritt. Kubaner schlugen die Rebellion nieder.

Da die MPLA ihre Rivalen FNLA und Unita nicht niederringen konnte, war sie dringend auf schlagkräftige und loyale Truppen angewiesen. So wurde auch eine Gruppe von den Kubanern geschult, die man Katanga-Gendarmen nennt: Afrikaner – die meisten vom Stamm der Lunda, die auch in Nordost-Angola leben – aus der südzairischen Provinz Shaba, von dort nach dem verlorenen Sezessionskrieg 1962 vertrieben. Der MPLA-Regierung in Luanda kam die Truppe zupaß. Der gemeinsame Feind hieß Präsident Mobutu von Zaire.