Die Debatte darüber, ob die amerikanische Fernsehserie „Holocaust“, die das Schicksal einer jüdischen Familie im Dritten Reich beschreibt, im Deutschen Fernsehen gezeigt werden soll oder nicht, ist noch immer nicht ausgestanden (siehe Telebiss ZEIT Nr. 23 und Reinhard Lettau, ZEIT Nr. 25). Jetzt haben die Intendanten der ARD-Anstalten die Entscheidung darüber an sich gezogen und wollen sie auf ihrer nächsten Sitzung Anfang Juli treffen. Peter Schulze-Rohr, Fernsehspiel-Chef des Südwestfunks, begründet, warum er vehement gegen eine Ausstrahlung von Holocaust ist.

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Baden-Baden

Die Debatte über Holocaust droht in parteipolitischen Zwängen und Voreingenommenheiten steckenzubleiben. Verdutzte Frage eines der politisch geweihten Häupter der ARD, als ihm von der vernichtenden Kritik eines Fernsehspielmannes an Holocaust berichtet wurde: „Nanu – gehört der nicht ins linke Lager?“

Es war zu lesen, die SPD habe ihre Mitglieder in den Aufsichtsgremien der Sender beauftragt, sich mit Rücksicht auf das Echo der Serie in Amerika für deren Ankauf stark zu machen. Und nun sind „die Linken“ dafür und „die Rechten“ dagegen. Oder andersherum: Wer dafür ist, ist links, und wer dagegen, rechts.

Da ist es denn wohl doch geboten, noch einmal von der Sache zu reden, nämlich von der Qualität von Holocaust.

Nachdem der Westdeutsche Rundfunk sie – wie inzwischen öffentlich gemacht – der politischen Opportunität wegen gekauft hatte, waren Teile der Serie Ende April zunächst den Fensehspiel-Chefs der ARD gezeigt worden. In Bezug auf die Qualität war man sich in diesem Gremium ziemlich einig: Es fiel kein einziges positives Votum. Die Skala der Bedenken reichte von „sehr anfechtbar“ bis „indiskutabel“. Weder die vielzitierte Nord-Süd-Konfrontation, noch parteipolitische Sympathie spielten irgendeine Rolle. Ebenso falsch ist, die Bayern zum Wortführer der Ablehnung zu machen und auf den Ruf zu spekulieren, den sich der Bayerische Rundfunk mit mancher Abschaltung eingehandelt hat; denn diese Serie faßt kein heißes Eisen an, sie verletzt keine Tabus, keine nationalen Empfindungen oder was auch immer, dafür verletzt sie die Gebote historischer, moralischer und künstlerischer Glaubwürdigkeit.