Nicht einmal geschenkt nehmen Japaner europäischen Stahl, glauben die Fried. Krupp Hüttenwerke AG jetzt bewiesen zu haben. Sie boten einem japanischen Weiterverarbeiter eine Tonne gratis. Der Dank kam schnell. Etwas länger dauerte dann die Nachricht, daß man nicht annehmen könne. Die japanischen Banken hätten kein Verständnis für Stahllieferungen aus Europa, wo doch die eigenen Hersteller schwer zu kämpfen hätten. Man könne, so die Banken, natürlich niemand an Importen hindern; doch dann müßten leider die gegebenen Kredite gekündigt werden.

Vicomte Etienne Davignon, als Mitglied der Kommission der Europäischen Gemeinschaften Verfechter der Importe hemmenden Referenz-Preise und Befürworter von Selbstbeschränkungsabkommen von Nicht-EG-Ländern, wird sich damit in seinen Anti-Japan-Maßnahmen gerechtfertigt sehen.

Trost hat er allerdings nötig, denn die Binnenmaßnahmen der EG zur Sanierung der Stahlindustrie wie Mindestpreise für Betonstahl und Orientierungspreise für andere Sorten funktionieren nicht so wie der Vicomte es will. „Es droht ein Zerfall der Disziplin im Inneren der Gemeinschaft. Das kann nicht ohne Rückwirkungen bleiben auf unsere Abkommen mit den Drittländern“, klagt er jetzt. Seine liberale Lösung (so bezeichnet Davignon sie): die Gründung einer gemeinsamen Verkaufsorganisation und einer schnelleren Ahndung von Verstößen gegen den Davignon-Plan. Wer will da den Japanern ihren Protektionismus verübeln...

Von einer „Kernkraft-Entwicklungsruine“ profitiert die Bayerische Elektricitäts-Lieferungsgesellschaft (BELG) in Bayreuth als Bauherr des konventionellen Kraftwerks in Arzberg. Sie kaufte eine Turbine von der Kraftwerk Union AG für 35 Millionen und sparte dabei 30 Millionen Mark; denn diese Turbine war bereits einmal im Kernkraftwerk Niederaichbach an der Isar montiert worden. Doch bei der Fertigstellung war die Anlage schon unrentabel und lief nur kurze Zeit. Jetzt wird das Kernkraftwerk abgerissen. BELG-Vorstandsmitglied Leonhard Müller spricht jetzt beim Turbinen-Kauf ironisch von einem „sinnvollen technologischen Recycling“.

„Wir gackern erst, wenn das Ei gelegt ist“, sagt Ralf Kläsener, Redaktionsleiter bei Koralle, einer Tochter des Axel Springer Verlags, und zugleich Objektentwickler im Hause. Nun ist das Ei gelegt. Am 30. August erscheint bei Springer „eine völlig neue Zeitschrift“ (so die Verlagswerbung): Journal. Das Monatsblatt „für Haushalt & Familie“ hat ein Vorbild in den USA: Good Housekeeping. Gestartet wird mit 600 000 Exemplaren.

Es wird nicht die letzte Neuerscheinung auf dem Frauen-Zeitschriftenmarkt bleiben. Gruner + Jahr-Chefredakteurin Angelika Jahr („essen & trinken“) läßt gegenwärtig Konzeptionen entwickeln und auch Burda sucht für einen neuen Titel bereits Redakteure. Der Hintergrund: Für sogenannte Frauenprodukte werden jährlich 2,5 Milliarden Mark für Medienwerbung ausgegeben, für Männerprodukte nur 1,4 Milliarden Mark – und davon wollen alle Verlage profitieren.

Da entmutigt nicht, daß im August eine andere Frauenzeitschrift wieder aufgegeben wird: 100 Ideen vom Schweizer Verlagsgiganten Ringier. Das im Ursprung aus Frankreich stammende Monatsblatt hatte zuletzt eine Auflage von 160 000 Exemplaren.