Theodor Körner hat sie mit „Du Heilige!“ angedichtet, und Heinrich von Kleist schwärmte: „Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert.“ Gedichte, Dramen, Romane und Erzählungen (die Filme nicht zu vergessen) sind ihr geweiht worden; als deutsche Nationalheilige umflorte sie stets nur Kitsch, und jetzt, seit Jahrzehnten fast vergessen, bekommt sie eine neue Biographie:

Merete van Taack: „Königin Luise. Eine Biographie“; Rainer Wunderlich Verlag, Tübingen 1978; 496 S., 19 Abb., 34,– DM.

Die Autorin beschreibt den Lebensweg der 1776 geborenen Prinzessin Luise, die 1793 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm heiratete, 1797 Königin wurde und schon 1810 starb. Die Trauer des Preußenvolks um sie war echt; sie starb, als Preußen, gedemütigt von Napoleon, am Rande seiner Existenz angelangt zu sein schien; drei Jahre nach ihrem Tode, beim erneuten Kampf gegen Frankreich, galt Luise schon als Schutzpatronin preußischer Erhebung.

Warum sie so verehrt wurde, bleibt einigermaßen rätselhaft. Die vergötterte Luise war zwar hübsch und charmant, aber sie besaß keine überragenden Geistesgaben. Alexander von Humboldt nannte sie „äußerst selbstsüchtig, verschlagen und beschränkt“, der Freiherr vom Stein kritisierte sie als ein „oberflächliches Weibchen“. Für Franz Mehring war sie wenigstens „ein lustiges Kind, kokett und oberflächlich, aber gutmütig und im letzten Grunde doch liebenswürdig“, doch der Historiker Michael Freund bezeichnete sie streng als „das höfische Nichts“.

Warum dieser zwar attraktiven, aber doch ziemlich belanglosen Frau 1978 eine so dicke Biographie gewidmet wird, wird auch nach der Lektüre nicht verständlich. Das Buch gibt keine Antwort; es plaudert unterhaltsam und endet konventionell mit dem Tod der Heldin. Die Frage, warum sie bis in unser Jahrhundert hinein als preußische Nationalgöttin verehrt wurde, bleibt unbeantwortet. Den Kult mit Luise als ein patriotisches Phänomen zu beschreiben, wäre für den Leser weit interessanter gewesen, als seitenlang belanglose Anekdoten auszuwalzen, die mit dem Thema kaum etwas zu tun haben. Keinmal erscheint der Name Novalis, obwohl das soeben zur Herrschaft gelangte Paar Friedrich Wilhelm III. und Luise ihn 1798 zu „Der König und die Königin“ angeregt hat.

Mit der gewundenen Formulierung, dieses Buch enthalte „viel in anderen Arbeiten über die Königin nicht verwendetes Material“, wird suggeriert, hier werde Unveröffentlichtes zitiert. Doch Neues sucht man vergebens, dabei existiert durchaus einiges unausgewertetes Material über Luise. Wo Quellen herangezogen werden, sind sie meistens schon völlig schal: Das gilt vor allem für die schiefe Darstellung der Mainzer Republik.

Die Romane Jean Pauls hat Luise nicht gemocht, erfahren wir; von ihrer Begeisterung für den drittrangigen Zacharias Werner hingegen wird nichts verraten. Über die Weihestunde des preußischen Königspaares mit dem Zaren am Sarkophag Friedrichs II. heißt es nur: „die bekannte Szene“. Wem bekannt?