Richtig amüsant wird diese Fußball-Weltmeisterschaft erst, wenn man die Prognosen der Experten nachher liest: Die Österreicher, so sagte der österreichische Erfolgstrainer Max Merkel vor WM-Beginn, würden kein einziges Spiel in Argentinien gewinnen und, schlimmer als das, „nicht einmal ein einziges Tor schießen“. – Nun, die Österreicher schossen bereits in der Vorrunde drei Tore und ließen als Gruppensieger sogar die Brasilianer hinter sich.

Die Italiener, so meinte der italienische Erfolgstrainer Helenio.Herrera vorher, seien die „am schlechtesten vorbereitete Mannschaft der Weltmeisterschaft“. – Die Italiener wurden in der Vorrunde Gruppensieger vor Argentinien und gehörten danach zu den erklärten Favoriten dieses WM-Turniers.

„Peru verliert gegen Iran“, wußte vorher der weitgereiste deutsche Erfolgstrainer Rudi Gutendorf zu berichten. Peru gewann gegen Iran mit 4:1.

„Peru und Iran sind nicht mehr als ein Farbtupfer in dieser Gruppe“, sagte der deutsche Erfolgstrainer „Hennes“ Weisweiler vorher. Peru wurde in der Vorrunde Gruppensieger.

Haben die sogenannten Erfolgstrainer etwa keine Ahnung vom Fußball? Oder weshalb liegen sie mit ihren Tips so falsch?

Nun, natürlich haben sie vom Fußball genausoviel Ahnung wie unsereins. Nur haben sie das Handikap, ihr Nicht-Wissen vor einem Spiel als prognostische Experten-Weisheit verkaufen zu müssen. Und da sind sie unsereins, der seine Prognosen nicht schriftlich geben muß, natürlich eindeutig unterlegen.

Denn wenn ein Experte wie Weisweiler zum Beispiel vorher behauptet, daß die Spanier „weiterkommen müßten“, dann wirkt das Ausscheiden der Spanier in der Vorrunde nicht etwa wie eine simple sportliche Tatsache, sondern wie ein Affront gegenüber dem begnadeten Hellseher.