Der demokratische Rechtsstaat kann sich eigenhändig ans Messer liefern. Da planten Rechtsradikale zum 17. Juni ein Deutschlandtreffen auf dem Römerberg, das nicht nur die Linken, sondern alle Demokraten provozieren mußte, der Frankfurter Oberbürgermeister verbot es – ein Gericht hob die Entscheidung wieder auf. Also mußte die Polizei Neonazis gegen Steinewerfer und Stahlkugelschleuderer von links in Schutz nehmen. Sie tat es auf bewährte Weise: kurz und brutal, mit Knüppel, Wasserwerfer und Tränengas. Hundert Verletzte wurden nach der Schlacht aus der verwüsteten Innenstadt geborgen.

Nun bezieht die Polizei für ihre Prügel selbst Prügel, die sie eigentlich nicht verdient. Denn die dritte Gewalt war es, die hier in formalem Übereifer statt Segen Unheil stiftete. Oberbürgermeister Wallmann hatte das einzig Vernünftige getan: durch ein Versammlungsverbot wollte er gewalttätige Zusammenstöße vereiteln, die von beiden Seiten eingeplant waren. Jetzt aber können die Krawallmacher zur Linken wie zur Rechten – auf Kosten der mißhandelten stillen Demonstranten – zufrieden sein: man spricht wieder über sie.

Schon einmal haben sich Rechte und Linke untereinander und mit der Polizei solange geprügelt, bis eine Republik darüber zu Bruch ging. Schon einmal haben ihnen deutsche Richter dies teuflische Handwerk erleichtert. Mit verbundenen Augen blickte Justitia auf die Frankfurter Walstatt. Blind oder verblendet? kj.