Ratlos und uneins präsentiert sich der Westen, besonders aber das Europa der Neun, wenn es darum geht, mit einer gemeinsamen Afrika-Politik aufzuwarten. Dies ist das Fazit jener drei Konferenzen, die sich seit dem zweiten Shaba-Krieg mit Zaire und mit Afrika beschäftigten: des Nato-Gipfels in Washington, der Pariser Konferenz vor drei Wochen, zuletzt der Brüsseler Wirtschaftskonferenz, die mit Beteiligung von Weltbank und Internationalem Währungsfond einen Mini-Marshallplan für Zaire ausarbeiten sollte.

Über die Dringlichkeit, eine Gegenstrategie zu dem sowjetischen Vordringen in Afrika zu entwickeln, herrscht Einigkeit. Aber es zeigt sich wieder einmal, daß es eines ist, eine Gefahr zu erkennen, und etwas ganz anderes, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Über die Therapie, wie dem schwachen schwarzen Kontinent auf die Beine geholfen werden könnte, gehen die Meinungen im Westen weit auseinander.

So wurden denn auch in Brüssel von den drei Tagesordnungspunkten nur zwei erledigt. Der dritte, wichtigste, wurde auf den Oktober vertagt. Programmpunkt eins, die Kontrolle aller Auslandshilfe, wurde nach einigem Zieren Zaires relativ schnell verabschiedet. Künftig sitzt ein Direktor des Internationalen Währungsfonds im Zentralbankrat von Kinshasa, ein zweiter Ausländer als Kontrolleur im Finanzministerium.

Auch über Punkt zwei ergab sich rasch Einmütigkeit: In den kommenden drei Monaten werden rund 400 Millionen Mark an humanitärer Soforthilfe in den Süden Zaires gepumpt. Die Bundesrepublik steuert 73 Millionen Mark dazu bei.

Keiner wollte sich jedoch auf ein langfristiges Sanierungsprogramm für den völlig abgewirtschafteten Staat festlegen lassen, der zwar einer der potentiell reichsten in Afrika ist, der aber mit vier Milliarden Dollar international in der Kreide steht und nicht weiß, wie er die jährlich anfallenden 300 Millionen Dollar Schuldzinsen bezahlen soll. Die Experten brüten weiter über den Plänen zur gründlichen Wiederankurbelung der Wirtschaft.

Der britische Außenminister Owen versuchte zwar, die Grübeleien auf die von London angestrebte Unverbindlichkeit zu lenken: Er erklärte, der Westen solle Afrika so helfen, wie Afrika es sich wünsche. Doch derartige Blankoschecks wollen weder die internationalen Finanzinstitutionen noch die Bundesrepublik, Frankreich, Belgien oder die Vereinigten Staaten ausstellen.