Das Verhalten von Rowdies gleicht den kriegerischen Zeremonien primitiver Völker

Von Wolfgang Rieger

Am Fußball erhitzen sich die Gemüter, und das nicht erst seit Argentinien. Schlachten zwischen Schlachtenbummlern erregen von Mal zu Mal Aufsehen. In Großbritannien arteten diese Kämpfe am Wochenende geradezu zu einer Plage aus.

Das ließ eine Gruppe von Psychologen an der Universität Oxford nicht ruhen. Sie mischte sich unter die meist jugendlichen Fans, schaute ihnen aufs Maul und bei ihren Schlägereien zu. Ergebnis: Ihre wissenschaftlichen Erklärungen lauten anders als die Urteile empörter Fernsehzuschauer und entrüsteter Zeitungsleser.

Schimpftiraden, Prügelszenen und der Angriff auf Sachen sind demnach weniger Zeichen von Verwahrlosung und sinn- wie regelloser Gewalt. Die Kämpfe der Fans sollen vielmehr Teil eines Rituals sein, einer aggressiven Form der Selbstfindung und Selbstbehauptung, voller Symbolik und nach definierbaren Regeln ausgetragen.

„Wir wollen damit Vandalismus und Rowdytum nicht entschuldigen“, sagte mir Peter Marsh, einer der an diesen Untersuchungen beteiligten Psychologen. „Aber die Ergebnisse unserer Beobachtungen und Gespräche zeigen, daß wir bisher die Strukturen des rebellischen Verhaltens und die Motive des Aufruhrs der Fußballfans nicht richtig verstanden haben.“

Die Psychologen dieser Arbeitsgruppe haben die klassischen Methoden ihrer Disziplin verlassen. Sie vertreten die Ansicht, Verhalten lasse sich nur verstehen und deuten, wenn es mit den Augen der Beteiligten gesehen wird. Ausgangspunkt jeglicher Untersuchung sind somit die Art und Weise, wie eine Person Situationen wahrnimmt, interpretiert und schafft. Sprache gilt dabei als Schlüssel sozialen Verhaltens, und die Erklärung des Verhaltens geht vom Beteiligten aus.