Die stille örtlichkeit, hierzulande gefahrlos aufzusuchen, stellt in Sibirien, der Fama nach, erhöhte Anforderungen an handwerkliches Geschick und Reaktionsschnelligkeit. Nach besagter Fama wird dazu zunächst eine Axt benötigt, mit der zwei benachbarte Bäume gefällt werden. Daraus haut man zwei handfeste Stangen. Die eine dient, quer über die Stümpfe gelegt, als Sitzgelegenheit, während man die andere mit beiden Händen über dem Kopf schwingt, um die Wölfe fernzuhalten.

Schach den Wölfen“ erinnert zunächst an diese rustikale Eastern-Story. Das Spiel ist in Dreikant-Stangenform konfektioniert. Das ist immerhin eine höchst ungewöhnliche Packung.

Das Titelbild verheißt nichts Gutes. Friedvoll grast ein zartes Lämmchen vor dem blutrotgefärbten Himmel, und nicht fern ist ein Donnerbalken zusammengebrochen. Ein hinterfotzig schiefäugelnder Wolf mit einem Winterpelz, der jedem Kürschner das Herz höher schlagen läßt, feixt noch einmal kurz den Betrachter an, ehe er sich auf sein zartes Opfer stürzt.

Ehe man noch herausbringt, ob es dem Junghammel gelingt, den Raubtieren zu entschlüpfen, ist jedoch ein Abenteuer eigener Art zu bestehen: die Spielregel. Sie ist ebenso kurz wie unverständlich. Da nützt es auch wenig, daß sie in Griechisch, Russisch und selbst in japanischen Schriftzeichen – neben den gängigen europäischen Sprachen, versteht sich – aufgeführt ist. Offensichtlich wurde das beste Mittel der Informationsverfälschung herangezogen, indem man von jeder Übersetzung in die nächste Sprache übertrug. Nun ja, ganz so schlimm ist es auch wieder nicht: Wenn man das Spiel begriffen hat, so wird die Regel im nachhinein plausibel...

Mit etwas Erfindungsgeist wird man schließlich schlau. Schräg auf den Papp-Dreikant aufgesetzt, werden die Wölfe aufgereiht, während auf der anderen Seite sich die Schäfchen um die Hirtin scharen. Die Idylle wird komplett durch vier allerliebste Jägerlein, die ihre Flinten im Anschlag halten und außerdem arglistig eine Falle aufgespannt haben. Gezogen wird, indem die Kärtchen versetzt und zwischen benachbarte Bildchen geschoben werden. Dann bedräuen die Wölfe die Schäfchen oder die Jäger die Wölfe, was von der Spielregel jeweils rührend als „Schach bieten“ umschrieben wird. Systematisch werden Situationen konstruiert, in denen eine Bedrohung doppelseitig wirkt. Ein gegnerisches Kärtchen bleibt dann auf der Strecke und wird aus dem Spiel entfernt. Und am Schluß bleiben entweder die Wölfe oder die Schäfchen übrig... Tom Werbeck

„Schach den Wölfen“, DAJ-Spiele Frankreich, Vertrieb durch PESCHO, Peter Scholz, Kienbachstr. 12, 8036 Herrsching, 2 Personen, Spieldauer ca. 20 Minuten, Preisempfehlung DM 14,80