Crailsheim

Selten streng zeigte sich das Regierungspräsidium Stuttgart: Es verdonnerte den Crailsheimer Oberbürgermeister Hellmut Zundel in einem Disziplinarverfahren zu einer Geldbuße von 3500 Mark. Der Grund; Zundel hatte bei einem skandalumwitterten Grundstückstausch „amtliche Pflichten und persönliches Interesse miteinander vermengt“ (ZEIT Nr. 45/1977).

In einem offensichtlich langfristig eingefädelten Plan versuchte Zundel sein in einem Gewerbe- und Mischgebiet stehendes Wohnhaus für eine halbe Million zu verkaufen, um sich eine Villa außerhalb von Crailsheim zu bauen. Die Baugenehmigung erwirkte er bei einem persönlichen Bittgang in die Landeshauptstadt.

Ruchbar wurde die Geschichte erst, als Hellmut Zundel sein altes Haus, Jahre zuvor von einer Crailsheimer Fertighausfirma für etwas mehr als 100 000 Mark erworben, für eine halbe Million Mark an die „Beschützende Werkstätte“ für behinderte Kinder in Heilbronn verkaufen wollte. Doch die Fertighausfirma machte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch – und brachte gleichzeitig ein merkwürdiges Geschäftsgebaren des Oberbürgermeisters zur Sprache, das nun schon ein paar Jahre zurückliegt. Zundel wollte damals von der Fertighausfirma weiteres Gelände. Als er es nicht bekam (die Firma wollte neben dem Oberbürgermeisterwohnsitz eine Gastarbeiterunterkunft bauen), kaufte er als Privatmann von der Stadt ein Stück Feldweg, das diese bereits seit 1944 an die Firma verpachtet hatte. Mit dieser „Trumpfkarte“ in der Hand erzwang der Oberbürgermeister schließlich einen Geländetausch, er bekam, was er wollte.

Gegen die Disziplinarverfügung des Regierungspräsidiums kündigte Zundel bereits Einspruch bei der Disziplinarkammer des Landes Baden-Württemberg an. Martin Geier