Zu politisch eher bedeutungslosen Treffen frohgelaunter CSU-Touristen sind die Parteitage der Christsozialen inzwischen abgemagert. So bot auch der jüngste in München ungleich mehr Spektakel als ernst zu nehmende politische Arbeit.

Einige bundesweite Bedeutung mag allenfalls der freilich auch nicht neuen und recht halbherzig vorgetragenen Versicherung Franz Josef Strauß’ zukommen, daß er für die Nachfolge des bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel nicht nur in den Wahlkampf ziehen werde, sondern diese Aufgabe nach dem Wählervotum auch tatsächlich „um ihrer selbst willen“ zu übernehmen gedenke.

Das Erbe „Fonsä“ Goppels, den er als „Meister in der Kunst der Politik“ würdigte, sei für ihn durchaus kein „Wartesaal“ oder „Durchgangsbahnhof“. Ein gutes Abschneiden bei den Landtagswahlen am 15. Oktober sei vielmehr der Auftakt für den „Sieg in Bonn“. Doch trotz aller bundespolitischen Verheißungen werde er den Bayern nicht den Rücken kehren.

Der Unmut der Wähler in Hamburg und Niedersachsen habe die FDP zu Recht getroffen. Jetzt gehe mit den Liberalen, die dieses Etikett schon lange nicht mehr verdienten, der „Gedankenklau“ hausieren. „Wir werden nicht mehr zulassen, daß die stärkste politische Kraft des Landes durch wahltaktische Mätzchen, Wählerbetrug oder falsche Parteienkonstellation aus der Verantwortung ferngehalten wird“, rief der CSU-Chef unter gewohnt stürmischem Applaus.

Trotz der Politik der Bundesregierung, so-Goppel in einem Rückblick auf seine 16 Amtsjahre, sei es gelungen, „Bayern gesund, stabil und in Ordnung zu halten“. Der „uneinholbar scheinende Rückstand in der Industrialisierung“ sei nahezu vollständig aufgeholt worden. Der scheidende Regierungschef bat, das ihm erwiesene „Vertrauen und die Freundschaft“ auf Strauß zu übertragen.

In einer einstimmig angenommenen Resolution gegen ein „Tauschgeschäft“ mit Gefangenen forderten die Delegierten die Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte von acht in der Bundesrepublik lebenden bzw. inhaftierten Exilkroaten, deren Austausch gegen die in Jugoslawien festgenommenen deutschen Terroristen vermutet wurde. Ohne Aussprache hingegen verwies der Parteitag das Gros der rund 50 weiteren Anträge an andere Parteigremien und billigte bei sieben Enthaltungen die „politischen Schwerpunkte“ der Staatsregierung für die nächste Wahlperiode innerhalb von zwei Minuten,

Das einzige Problem, bei dem das Fußvolk mit den Parteioberen erfolgreich die Auseinandersetzung suchte: die CSU-Parteitage platzen auf Grund der Delegiertenzahl aus allen Nähten. Dennoch attackierte ein Delegierter den Versuch der Parteimanager als „alten Hut“, die Kreisverbände nicht – wie bisher – für je 200, sondern für je 300 Mitglieder einen der ihren auf den begehrten Wochenendausflug ins schöne München schicken zu lassen.