Bei den Aufsichtsrats- und Betriebsratswahlen erzielten die Christlichen Gewerkschaften überraschende Erfolge

Von Erika Martens

Eigentlich wußte ich schon vor der Wahl, wie es ausgehen wird", sagt Fritz Reger, gerade gewähltes Aufsichtsratsmitglied bei der Bayerischen Versicherungsbank in München. Seine Zuversicht hat ihn nicht getrogen. Er und sein Kollege Helmut Scharf, beide Mitglied im Deutschen Handels- und Industrieangestellten-Verband (DHV) eroberten mit 78 Prozent der abgegebenen Stimmen beide Gewerkschaftssitze im neuen Aufsichtsrat der Allianz-Tochter.

Das Nachsehen hatten die Kandidaten der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) und der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV). Beide bekamen im Bereich der "Externen" kein Bein auf den Boden.

Regers Optimismus gründete sich auf den Erfolg seines Kollegen Alfons Goppel, der kurz Zuvor bei den Wahlen der Allianz Versicherung den Vertreter der Gewerkschaft HBV aus dem Rennen, warf. Die beiden anderen externen Sitze fielen hier an die Angestellten-Gewerkschaft (DAG).

Goppel und sein Handelsangestelltenverband DHV (31,9 Prozent der Stimmen) gingen nach einer Strategie vor, mit der sie die DAG und die dem Deutschen Gewerkschaftsbund angehörenden HBV gleichermaßen in Verlegenheit brachten: Mit dem Schlachtruf: "Würden Sie einem Fremden Ihren Wohnungsschlüssel anvertrauen?" mobilisierten sie die Mitarbeiter gegen den Einzug betriebsfremder Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat. Den großen Gewerkschaften, die auf die entscheidende Funktion der hauptamtlichen Vertreter im Aufsichtsrat pochen, paßt dies gar nicht in den Kram; bei den Wählern aber, besonders im Angestelltenbereich, kommt dieser Slogan an.