Britischer Nationalstolz ist tief verletzt: Zwei Engländern wurde in Saudi-Arabien auf einem Marktplatz in aller Öffentlichkeit mit einem 1,50 Meter langen Bambusstock das Hinterteil versohlt. Grund genug für einen „Panthersprung“?

Wer den Tod kennt, sagt ein arabisches Sprichwort, zieht die Krankheit vor. Wer Saudi-Arabien kennt und gern trinkt, sollte es vorziehen, anderswo zu arbeiten. Das vergaßen acht Briten, die sich dort für gutes Geld verdingten, einen Tropfen aber nicht missen mochten. Schlimmer war jedoch: Sie gaben vom selbstgebrauten Sorgentröster an mohammedanische Durstige ab. Und das Schlimmste, daß sie sich erwischen ließen.

Die Behörden drücken manches Auge zu, solange die fremden Ingenieure und Techniker – die man ja braucht, um aus einem Wüstenstaat eine Großmacht zu schmieden – ihren Schwarzmarkt-Gin oder Schmuggel-Kognak im verborgenen zu sich nehmen. Beim Zoll erwischte „Importeure“ gehen oft straffrei aus, die unerwünschte Ware wird in den nächsten Ausguß geschüttet. Nur der Weiterverkauf zieht drastische Strafen nach sich.

Die auf Befolgung des Koran erpichte religiöse Polizei kennt keine Rücksicht auf die weißen Effendis mit dem begehrten Know-how. Auch wenn die Waffe des Propheten nicht mehr das Krummschwert ist, sondern sich gänzlich in einen Öldollar verbogen hat, wachen die Saudis über die alten Sitten. Eine europäische Stewardeß läuft beim Einkaufsbummel besser nicht mit tiefem Ausschnitt oder engen nicht herum, die Frau des Flugzeugkonstrukteurs muß sich hüten, ein Auto zu fahren. Die meisten Firmen instruieren ihre entsandten Kräfte sehr genau, und Lockheed, der Arbeitgeber der jetzt mit Strafen bis zu 200 Hieben bedrohten Briten, macht da keine Ausnahme.

Londons Außenminister Owen sucht Milde zu erwirken, zuckt aber offiziell die Achseln. Für ihn ist maßgebend die Ortsmoral. Dahin sind die Tage seines Amtsvorgängers Palmerston, der einmal sogar einen schlecht beleumundeten britischen Staatsbürger portugiesischer Herkunft mit Kanonenbooten herauspaukte. Umgekehrt sind aber wohl auch die Tage nahe, da der ungenierte Alkoholkonsum der vielen Koran-Anbeter, die in London, Paris und New York abends ins Glas blicken, statt nach Mekka zu schauen, die Frage nach der Haltbarkeit solcher Doppelmoral so laut stellt, daß man sie auch in Riad hört. K. H. Wocker (London)