Das Reich der Mitte sucht neuerdings Schutz in Europa – gegen den gemeinsamen Feind aus Moskau. „Der Sozialimperialismus bedroht uns alle,“ warnte Pekings Vize-Außenminister Yu Chan jüngst in Rom. Im nächsten Atemzug meldete er Chinas Interesse am Kauf hochmoderner westeuropäischer Waffen an.

Was viele stramme Abendlandsverteidiger früher nur zu träumen wagten, scheint auf einmal greifbar zu werden: die (zumindest kommerzielle) Waffenbrüderschaft mit der Riesenmacht im ungeschützten Hinterhof der Sowjetunion. Sir Frederic Bennett, ein konservativer Unterhaus-Abgeordneter aus London, appellierte eben an die Parlamentarierversammlung der Westeuropäischen Union, die Waffenwünsche der Chinesen zu erfüllen; Erich Mende trat ihm eifrig zur Seite.

England und Frankreich sind nicht abgeneigt, Waffen an China zu liefern, und Jimmy Carter hätte nichts dagegen – jedenfalls versicherte er dies in der vorigen Woche der Trilateral Commission. Er selbst versucht die chinesische Karte gegen die Sowjets auszuspielen. Bahnt sich hier eine einträgliche Ehe zwischen kühlem Kommerz und geopolitischer Romantik an?

Es wäre gewiß verlockend, europäische Export-Panzer an die sowjetische Hintertür zu verlegen, um so das Obergewicht der roten Armeen an unseren eigenen Grenzen zu mindern. Nur: Solche medianischen Spielereien erfordern ein feines Fingerspitzengefühl. Auch läßt die Chinesen-Hysterie des Kremls rationale Reaktionen nicht erwarten. Wem nützt aber der schönste Profit, wenn das Exportgeschäft mit Peking das wichtigere Entspannungsgeschäft mit Moskau schädigte? jj