Europas Nobel-Institut INSEAD sucht ein neues Image

Von Rosemarie Fiedler-Winter

Management ist nicht nur ein politischer Prozeß, es ist ebenso eine soziale Aufgabe“, betont Uwe Kitzinger, gebürtiger Franke und seit 1976 der erste Mann von INSEAD, der größten Managementschule Europas. Kitzinger, von seinen Mitarbeitern auch gern als „Kissinger des Managements“ apostrophiert, hat auf dem Campus von Fontainebleau bei Paris (INSEAD, Boulevard de Constance, F-77305 Fontainebleau) neue Maßstäbe gesetzt.

Die International School of Economics and Administration, die in diesem Jahr auf zwei Jahrzehnte Management-Training zurückblickt (von bisher insgesamt 5623 internationalen Teilnehmern aus 32 Ländern waren 677 deutsche), wird in den Chefetagen der Bundesrepublik nicht selten als „Hochschule für Arroganz“ bezeichnet.

An manchen Vorstandstelephonen kann man hören: „Leute von Harvard und INSEAD sind zu praxisfern“; oder auch: „Mit diesen Eliteprinzen kommt man bei uns nicht klar“.

Immerhin kamen ausländische Firmen, vorwiegend amerikanische, mit Absolventen aus Fontainebleau gut zurecht. Aber auch dem deutschen Förderkreis und Kuratorium der Schule blieb nicht verborgen, daß das Auftreten ihrer Schützlinge verschiedentlich Unzufriedenheit verursachte. Die Namensliste dieser Förderer liest sich wie eine Seite aus dem Gotha der deutschen Industrie. Seit 1975 steht an erster Stelle der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Dr. August Oetker Gruppe, Dr. Guido Sandler. Sein Vorgänger, der Hamburger Bankier Eric M. Warburg, ist nach wie vor als aktives Kuratoriumsmitglied um das Institut besorgt.