Zum Abschluß gab sich General Jorge Videla, Chef der argentinischen Militärjunta, noch einmal die Ehre. Im Pressezentrum von Buenos Aires erklärte er vor ausländischen Journalisten, die Fußballweltmeisterschaft habe „eine einigende Wirkung auf die Nation“ ausgeübt. Wie wahr – und wie bescheiden.

Denn nicht für den Sport und für den inneren Frieden, sondern für die Junta-Politik hat sich das Land die Millionen-Kosten aufgebürdet, wohl wissend, daß die Schreie der Gefolterten im Getöse der Fans noch weniger zu hören seien als sonst schon; zu Recht darauf spekulierend, daß die Terroristen ihr Versprechen halten und die Besucher nicht durch Bomben und Anschläge beunruhigen würden. Erwünschtes Fazit von Schlachtenbummlern: Nein, so schlimm kann es doch in Argentinien nicht sein, bei diesem gastfreundlichen, nationalstolzen Volk. Buenos dias, Argentina!

Doch der Traum der Spiele, der Rausch des Sieges wird nicht anhalten. Der bittere Alltag kehrt zurück, die alten Probleme bedrücken aufs neue das Land: Bomben explodieren, Entführte rufen um Hilfe, Gefolterte schreien. Steht zu befürchten, daß die fußballtauben Ohren draußen jetzt noch weniger hören können und wollen? Wenn ja, so wöge dies allein alle Unkosten auf, die sich die Junta aufgebürdet hat; der Weltmeistertitel wäre da nur eine erfreuliche Nebenwirkung. Wäre es so, müßte es wohl heißen: Buenas noches, Argentina. H.B.