Der Grimaldi-Schwiegersohn hat keinen Titel, aber er paßt ins Milieu

Von Josef Joffe

Caroline, geborene Monaco, und Philippe Junot durften doch noch heiraten. Ihre Zukunft, zumindest die finanzielle, ist gesichert, nicht zuletzt wegen des Ordnungsdrangs des alten Bismarck. Deutschland verdankt Bismarck nur seine kurzlebige Einheit, Monaco aber verdankt ihm die Rettung vor dem sicheren Ruin, denn es war der Reichseiniger, der im Schicksalsjahr 1872 die Spielbank von Monte Carlo und damit die Dynastie der Grimaldis sanierte.

Der Eiserne Kanzler – ein Hasardeur, der die elterlichen Latifundien aufs Spiel setzte? Im Gegenteil: Bismarck wollte preußische Zucht im ganzen Deutschland und ließ deshalb ein Jahr nach der Einigung sämtliche Casinos im Zweiten Reich schließen. Deutschlands Spieler mußten nun ihr Glück an ausländischen Roulettetischen suchen. Sie verließen Homburg und Baden-Baden und drifteten in das Fürstentum der Grimaldis, die selber vom Pech verfolgt waren. Elf Jahre zuvor hatte ihnen Napoleon III. vier Fünftel ihrer Ländereien weggenommen, und die Spielbank, die letzte Einnahmequelle, siechte dahin – bis die Deutschen kamen und die Rouletteräder in Gang setzten, Monacos Glück war gemacht.

Spielfreiheit und Steuerfreiheit

Der Reichtum, von dem das junge Brautpaar nun zehren kann, hat die Grimaldis nie verdorben. Sie wissen aus der Geschichte, daß ihr Wohlstand auf dem Grundrecht der Freizügigkeit beruht – zu den 35 Signataren der Menschenrechtsdeklaration von Helsinki gehört auch Monaco. Früher waren es die heimatlosen Spieler aus Deutschland und Umgebung, die in Monaco mit offenen Armen aufgenommen wurden. Heute ist Monaco immer noch ein schützender Hafen für jene, die der Behördenwillkür ihrer eigenen Regierungen entfliehen wollen – insbesondere der Willkür der Steuerbehörden.

Die Spielfreiheit hat Monacos Reichtum begründet, die Steuerfreiheit hat ihn gemehrt. Nur 4500 Einwohner des Zwergstaates sind echte Monegassen, und nur sie durften zum Hochzeitsempfang in das Palais der Grimaldis kommen. Die restlichen 20 000 setzen sich aus 88 verschiedenen Nationalitäten zusammen. Was hat sie nach Monaco gezogen? Einmal das milde Klima und die netten Leute, aber noch anziehender waren die milden Steuergesetze. Monegassen und ihre ausländischen Dauergäste müssen Keine Einkommensteuer zahlen. Unternehmen kommen nicht ganz so leicht davon. Sie müssen maximal 35 Prozent Gewinnsteuer entrichten, es sei denn, sie erzielen mehr als Dreiviertel ihrer Umsätze im Fürstentum; dann sinkt die Steuerrate wieder auf Null. Ein kreativer Buchhalter hat hier ein weites Auslauffeld, aber noch schwerer wiegt die Tatsache, daß die ortsansässigen Multinational keine kleinlichen Schnüffler aus den heimatlichen Volksvertretungen befürchten müssen, die immer nur das Wohl des Staates im Auge haben.