Der Dritte Weltkrieg hat in Angola begonnen – das Wort Leopold Senghors war nicht der Weisheit letzter oder einziger Schluß. Kaum war es ausgesprochen, da wendete sich auch schon das Blatt. In Guinea-Bissau, bei einem Treffen des portugiesischen Staatschefs Eanes und des angolanischen Präsidenten Neto, kam es zur Aussöhnung des demokratischen Portugals mit dem marxistischen Angola; in Luanda aber leitete ein amerikanischer Sonderbotschafter eine Annäherung Washingtons an das lange Zeit verpönte to-Regime ein.

Die beiden Ereignisse haben konkrete Bedeutung. Über den EG-Anwärter Portugal eröffnet sich Neto ein engeres Verhältnis zu Westeuropa, mindestens die Möglichkeit dazu. Carters Sendbote jedoch signalisierte den Willen des Präsidenten, auch gegenüber dem vielgescholtenen Neto Konfrontationen nicht anzuheizen, sondern abzubauen. Da sind Fäden angeknüpft worden, die dem Westen erlauben, seine Stärken voll auszuspielen: seine Wirtschaftskraft, sein technisches Wissen, seine finanzielle Überlegenheit. Es läuft dies auf jene „positive Strategie“ angesichts der sowjetischen Durchringungsversuche hinaus, mit der sich US-Außenminister Vance inzwischen gegen Präsidentenberater Brzezinski durchgesetzt hat.

Die Lehren aus der jüngsten Entwicklung sind unzweideutig: Mit den abgedroschenen Klischees des kalten Krieges ist die heutige Lage Afrikas nicht zu fassen. Gelassenheit, dazu ein Schuß subtiler Diplomatie richten mehr aus. Wenn alles im Fluß ist, kann starre Hektik nur verhärtend wirken; mehr vermag da flexibles Handeln. Die Vorgänge am Horn von Afrika –das Attentat im Nordjemen, der Umsturz im Südjemen – bestätigen die Vermutung: Nichts ist in der orientalischen Krisensituation schon so festgefügt, daß die Hoffnung auf überraschenden Wandel schon aufzugeben wäre. Th. S.