Von Wolfgang Hoffmann

Nikolaus Fasolt macht weiter von sich reden. Kaum im Amt als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), geriet der mächtigste deutsche Industrie-Funktionär und Bonner Fliesen-Fabrikant vor einigen Wochen wegen drohender Massenentlassungen in seinem Werk in die Schlagzeilen. Anfang dieser Woche fiel der Unternehmerpräsident nun abermals unliebsam auf.

Steuerfahnder hatten den Chef der Bonner Wesselwerke, Fasolt, und den Direktor des Zweigwerkes Servais in Bonn-Witterschlick, Peter Weber, bei strafbaren Steuerverkürzungen ertappt. Die Staatsanwaltschaft in Bonn klagte an, und das Amtsgericht ahndete das kriminelle Delikt mit Strafbefehlen: 58 500 Mark für Nikolaus Fasolt, 11 250 für dessen Adlatus Weber.

Was immer der prompte Einspruch der beiden Steuerdelinquenten gegen die Bestrafung noch zu Tage fördern wird, gewiß ist, daß beide sich in „guter Gesellschaft“ befinden. Denn was jetzt durch die Strafbefehle gegen Fasolt und Mitarbeiter Weber bekannt wurde, ist offensichtlich nur die Spitze eines Eisbergs. Wenn es der Staatsanwaltschaft gelingt, ihre derzeit noch laufenden Ermittlungen, gegen 105 weitere Unternehmer wegen der gleichen Steuertaten erfolgreich abzuschließen, dann wird Nikolaus Fasolts Tat sich für viele nur noch wie ein Kavaliersdelikt ausnehmen. Steuerfahnder und Staatsanwälte sollen bei ihren Recherchen auch auf so erlauchte Firmennamen wie Karstadt, Kaufhof, Daimler-Benz, Blendax, VW do Brasil gestoßen sein. Tatsächlich sind bereits zwei weitere Strafbefehle ergangen.

Zwar macht die Steuermoral des Nikolaus Fasolt deutlich, daß auf den Unternehmer offenbar auch zutrifft, was er vor wenigen Wochen noch bei anderen beklagte („Wir haben es in weiten Kreisen der nachwachsenden akademischen Jugend und-auch bereits bei den Arrivierten mit den Folgen einer geistigen Entwurzelung zu tun“), aber immerhin kann er sich zugute halten, daß er nicht zugunsten der eigenen Tasche mit den geltenden Gesetzen in Konflikt geriet. Die Steuerverkürzung erfolgte nämlich zugunsten einer politischen Partei, der CDU in Bonn.

Nach Ermittlungen der Bonner Staatsanwälte hat Unternehmer Fasolt – nicht ganz im Einklang mit seinen offiziellen Bekundungen „die Industrie betreibt keine Parteipolitik“ – in Vaduz/Liechtenstein vier „fingierte Gutachten“ (Landgerichtssprecher Brenner) ohne Wert in Höhe von jeweils 10 000 Mark geordert, die dann als normale Betriebskosten von der Steuer abgesetzt wurden.

Daß Fasolt in den Jahren 1971 bis 1975 für wertlose Expertisen Geld ausgab, könnte Steuerprüfer und Staatsanwälte kalt lassen. Aber der Honorar-Empfänger in Vaduz, die Europäische Unternehmensberatungsgesellschaft, erweckte hinreichend Verdacht. Sie nämlich soll das Geld nach Abzug eines geringen Unkostenbetrages an die CDU-eigene Unionsbetriebs GmbH (UBG) in Bonn weitergeleitet haben.