Zum drittenmal in zwei Monaten haben Italiens Wähler Anfang dieser Woche den großen Parteien des Landes einen rüden „Denkzettel“ verpaßt.

Über eine Million Norditaliener waren an diesen kommunalen Testwahlen beteiligt. Den schwersten Schlag versetzten sie den Parteien in Triest, wo die Christdemokraten fast zwölf, die Kommunisten acht, die Sozialisten drei Prozentpunkte verloren und als Sieger mit relativer Mehrheit (27,4 Prozent) eine lokale Wählervereinigung triumphierte: „Für Triest“ nennt sich schlicht diese Gruppierung, deren Begründer auf die in der Stadt verbreitete Abneigung gegen den italienisch-jugoslawischen Grenzvertrag von 1975 gesetzt hatten. In die vorgesehene Freihandelszone möchten sie die ganze Stadt einbezogen haben. Dahinter steht der Traum, zurücktauchen zu können in die goldene k. u. k.-Vergangenheit, aber auch auszubrechen aus einer italienischen Gegenwart, in der – „außer dem Kuhhandel der Parteien“ – kein Wirtschaftsproblem lösbar erscheint und obendrein rote Terroristen, wie jetzt in Turin, mit zwei bis fünfzehn Jahren Haft davonkommen, ja – wie die Freundin des Rotbrigadisten Curcio – entlassen werden, obschon sie noch von der Anklagebank den Mord an Moro verherrlicht hatte...

Daß der Rechtsstaat nicht immer dem „Volksempfinden“ entsprechen kann, wird für die Italiener immer schwerer begreiflich. Im Friaul, wo die Wunden (auch die psychischen), die das Erdbeben von 1976 schlug, noch lange nicht verheilt sind, kam jetzt die Quittung der Wähler. Zwar nicht so hart wie in Triest, aber deutlich: die Christdemokraten fielen zurück von 42,4 auf 39,6 Prozent, die Kommunisten von 26,6 auf 21,8, die Sozialisten von 11,4 auf 9,5, während lokale Listen 12,2 Prozent verbuchen konnten. Im französischsprachigen Oasta-Tal hielten sich zwar die beiden großen Parteien, Democrazia Cristiana und KP, ebenso wie die nationalen Lokalparteien, doch die Sozialisten (PSI) verloren mehr als die Hälfte ihrer Wähler. Überhaupt zeigt diese Testwahl, daß dem krampfhaften Bemühen der Sozialisten, sich als „dritte Kraft“ zu etablieren, indem sie das Zusammenspiel der beiden Großen verderben, kein langfristiger Erfolg beschieden sein dürfte.

Hansjakob Stehle (Rom)