Die Abschreibungsbranche, einst von Pleiten und Skandalen geschüttelt, steuert seit einiger Zeit Erfolgskurs. Niedrige Zinsen und steuergeplagte Kunden trimmten etliche der kleinen Vermögensberatungsgesellschaften mit Jahresumsätzen von 100 bis 300 Millionen Mark auf Industrieformat.

Erfolg haben sie im Inland bei den Anlegern, denen sie im vergangenen Jahr (Fremdmittel nicht eingerechnet) rund 1,5 Milliarden Mark aus den Taschen lockten, und im Ausland, wo die Deutschen, so ein kanadisches Fachblatt, „... nur den Finger in den Boden stecken und – falls Ölspuren dran bleiben – gleich von Millionengewinnen träumen“. Und fündig werden sie alle, zumindest wenn man ihren Prospekten und Zeitungsinseraten glaubt.

Jetzt wurde allerdings auch ihr wichtigster Partner fündig: die Finanzverwaltung. Jahrelang hatte sie vergeblich versucht, die sozialpolitisch unerwünschte Branche nachhaltig an die Kette zu legen. Jetzt – in einem neuen Boomjahr für Abschreiber – gelang es ihr, den Nerv der Branche empfindlich zu treffen: die Fremdfinanzierung.

Sie ist das Kernstück aller Steuerspar-Konstruktionen. Bei niedrigem Eigenkapitaleinsatz heben aufgenommene Kredite den Steuersparheben auf stattliche Höhen und erreichen oft ein Mehrfaches des eingesetzten eigenen Geldes. Schon lange vermuteten die Finanzbeamten, daß es bei solchen Krediten nicht immer mit rechten-Dingen zugehe.

So sollen Kosten für Honorare und Investitionen per Federstrich verdoppelt und die aufgeblähte Hälfte den Anlegern als Kredit gestunder worden sein. Alarm lösen beim Fiskus vor allem solche Kredite aus, die nur aus späteren Erlösen zurückgezahlt werden müssen.

Solchen Möglichkeiten schob das Bundesfinanzministerium in jüngster Zeit mit mehreren Erlassen einen Riegel vor. In einem Schreiben vom 8. Mai dehnte der Bundesfinanzminister ein Verfahren auf alle Abschreibungsgesellschaften aus, das es bereits im Januar für Filmabschreiber vorgesehen hatte. Danach kann ein Darlehensgeber steuerlich zum Mitunternehmer der deutschen Abschreibungsgesellschaft werden, wenn er ihr den Kaufpreis für Rechte, Leistungen, Knowhow oder andere Wirtschaftsgüter mit der Maßgabe stundet, daß er aus späteren Erlösen zu zahlen ist.

Die Folgen der ungeplanten Mitunternehmerschaft: Aus Fremdmitteln werden Betriebseinnahmen, aus abzugsfähigen Zinsen ein Gewinnvorab des unfreiwilligen Gesellschafters. Der Steuervorteil verfliegt.