Von nun an, so belehrt uns die Wirtschaftszeitung aktiv, arbeiten wir alle für den Rest des Jahres nur noch für das Finanzamt und die Sozialversicherungen. Denn schon im ersten halben Jahr hätten wir – Arbeiter und Angestellte, Selbständige und Unternehmer – das erarbeitet, was der Staat den Bürgern zur freien Verfügung läßt: gut die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung.

Natürlich ist man da versucht, den alten Kommißspruch abzuwandeln in eine neudeutsche Steuerbürgerweisheit: Die Hälfte seines Lebens arbeitet der Mensch vergebens – das heißt: nicht in die eigene Tasche.

Doch gemach, gemach, so einfach ist das nicht. Wer beispielsweise das Glück hat, Landwirt zu sein, kann den Erntesegen der nächsten Monate noch in die eigene Scheuer fahren. Und so mancher Mitbürger arbeitet wohl schon seit Pfingsten oder länger für das, was man gemeinhin das gemeine Wohl nennt.

Für den Durchschnittsbürger bleiben angesichts solcher Rechnungen – seien sie auch nach der Art des Milchmädchens gemacht – tröstliche Träume: Gäbe es sie nicht, das Finanzamt und die anderen einnehmenden Institutionen, so könnte man jetzt ein halbes Jahr Urlaub machen. Vor einem Jahrzehnt wären es nur vier Monate gewesen. hm