Hervorragend

Gerry Rafferty: „City To City.“ Als Folk Music-Traditionalist versteht sich der schottische Sänger und Komponist Gerry Rafferty genausowenig wie als Pop-Interpret. Seine Lieder sind eine eigentümliche Mischung aus beidem: melancholisch-introspektive Reflexionen über so „banale“ Gefühle und Situationen wie Einsamkeit, Abschied und die Erfahrung von Sinnlosigkeit. Nach drei Jahren Pause legt Rafferty wieder ein Solo-Album vor, dessen Songs von einer – für ihn durchaus ungewöhnlichen – pastoralen Ruhe und Heiterkeit sind. Schade nur, daß die Plattenfirma nicht die Texte beigefügt hat. Dieser Song-Poet der subtilen Zwischentöne schreibt eine so bildreiche, mit präzisen Impressionen gesättigte Sprache, bei der auch das Nachlesen noch Spaß macht. (United Artists UAS 30 104) Franz Schüler

Bedingt vergnüglich

„Joyous Music on Serious Instruments.“ Irgendwann kam jemand auf die eigentlich skurrile Idee, die „ernste“ Musik von der „Unterhaltungs“-Musik zu trennen, zu unterscheiden zwischen einer Musik, die offenbar tiefere Inhalte transportiert als die andere, die nur dem reinen Vergnügen dient. Irgendwann unternahm jemand folgerichtig den Versuch, die beiden getrennten Künste wieder zu vermischen, sei es, daß er das Ernste mit Unterhaltendem zu durchsetzen, sei es, daß er das Unterhaltende mit seriösen Techniken aufzuwerten probierte. Ersteres liegt auf dieser Platte vor: Historisches mit Jazz-Effekt, Uminstrumentierungen mit leichtem Pop-Anklang, mutige Kombinationen aus Jugendbewegung und Avantgarde. Ob (Kunst-)Musik Humor verträgt, ist auch nach dieser Platte weiterhin fraglich – Vergnügen bereitet diese Sammlung vor allem jenem, der das Originale und die Verfremdung erkennt (Bläserduo der Musica Amorbacensis; Thorofon – 3002 Wedemark I, Postfach 1250 – MTH 171)

Heinz Josef Herbort