Von Heinrich Jaenecke

Für Südafrika steht die Zeit nicht still. Mit Ablauf dieses Jahres werden die Buren ihr weißes Vorfeld verlieren: Namibia soll 1979 unabhängig werden, und in Rhodesien wird Ian Smith einer schwarzen Mehrheitsregierung weichen müssen. Die weißen Südafrikaner sehen sich auf ihre Wagenburg zurückgeworfen. Werden die Führer der burischen Nationalpartei dann ihre starrköpfige Haltung aufgeben, oder werden sie die letzte Chance zu einem schwarzweißen Miteinander in Südafrika verspielen?

Drei namhafte deutsche Journalisten haben sich dieser Frage angenommen:

Rolf Seelmann-Eggebert: „Das Kap der Stürme – Südafrikas Weg in die Krise“, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1978, 262 S., 24,– DM

Günther Gillessen: „Rassenstaat – Ständestaat – Gottesstaat? Südafrikas Versuch, aus der Geschichte auszuwandern“; Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1978, 116 S., 10,– DM

Wolfgang Höpker (Hrsg.): „Südafrika auf der Waage – Ein Subkontinent zwischen Evolution und Revolution“, Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1978, 190 S., 19,80 DM

Die drei Bücher sind in mancher Hinsicht kennzeichend für die Positionen der deutschen Publizistik zum Problem Südafrika. Fernsehreporter Seelmann-Eggebert schrieb ein kenntnisreiches Geschichtsbuch, das die Entwicklung des Dramas von der Gründung der holländischen Kapkolonie bis in die jüngste Gegenwart schildert. Dieser distanzierte Betrachter ist bemüht, auch den Buren gerecht zu werden. Freilich hindert der in deutschen Funkhäusern kultivierte Hang zur „Ausgewogenheit“ den Autor sichtlich, in entscheidenden Fragen prägnanter zu werden. So wird die eigentümliche Mentalität der burischen Nationalisten, jenes mystische Sendungsbewußtsein, das seine Verwandtschaft zum deutschen Nationalsozialismus zumindest in den Biographien seiner zeitgenössischen Repräsentanten nicht verleugnen kann, kaum in Umrissen erkennbar.