Sehenswert

„Die Invasion der Körperfresser“ von Don Siegel und „Der Untergang des Hauses Usber“ von Roger Corman: ein „double feature“-Programm zweier Genre-Klassiker, die mittlerweile zu Kultfilmen avancierten. Trotz eines von der Produktion aufgezwungenen, etwas abschwächenden Schlusses ist Invasion of the Body Snatchers“ (1956), der vor 20 Jahren unter dem Titel „Die Dämonischen“ in den Kinos lief, nach wie vor der beste Science-fiction-Film über das Thema der Invasion von Außerirdischen. Ein Arzt (Kevin McCarthy) und seine Freundin (Dana Wynter) entdecken seltsame, riesige Hülsen („pods“), die zu täuschend ähnlichen Duplikaten der Bewohner ihres Heimatortes wachsen und die Persönlichkeit ihrer Opfer absorbieren: „befreit“ jedoch von alten irrationalen menschlichen Gefühlen. Bald ist der Arzt – wie der Held in Richard Mathesons Science-fiction-Roman „I Am Legend“ – der „letzte Mensch“ in einer Welt totaler Andersartigkeit Mit böser Schlüssigkeit läßt Siegel im familiären Milieu einer amerikanischen Kleinstadt die Eskalation eines sinistren Schreckens sich vollziehen, in der das Vertraute sich als Feindliches entpuppt und Bekanntes zum Bedrohlichen wird. Man kann diese erschreckende Vision einer Welt leerer „Menschenhülsen“ (Kollaborateure und Konformisten) sowohl als Anti-McCarthy-Parabel interpretieren wie als Allegorie auf Formen des Totalitarismus: dieser Science-fiction-Film ist, nicht nur nebenher, ein eindringliches politisches Pamphlet

Das zweite Beispiel ist weniger politisch denn psychologisch orientiert: „House of Usher“ (1960), die erste der Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen von Roger Corman. Ein Hinabtauchen in eine klaustrophobische Welt voll schillernder Schönheit der Verwesung, in der Corman in einer „unheiligen Allianz von vulgärer Horror-Komik und expressionistischer Farbenkunst“, wie Raymond Durgnat treffend feststellte, „auf dem Umweg über Poe... die verlorene Welt des amerikanischen Unterbewußten wiederentdeckt“ hat.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Münchhausen“ von Josef von Baky. „Der kleine Godard“ von Hellmuth Costard. „Eine entheiratete Frau“ von Paul Mazursky.