Aus lokalen Bürgerinitiativen von Kernkraftwerksgegnern, die ihre Interessen in der Allparteienlobby von Bonn nicht mehr vertreten sahen, ist eine umfassende Protestbewegung gegen bestimmte Auswüchse unseres politischen Systems geworden, als da sind: die Zugeknöpftheit politischer Institutionen, die daraus resultierende Bürgerferne, eine Politik, die einigen Politikern mehr zum Selbstzweck zu dienen scheint. Die traditionellen Parteien haben den Fehdehandschuh nicht aufgehoben. Sie haben „Grüne“ und „Bunte“ nicht als wirkliche Gefahr für ihr Wählerpotential angesehen. Auseinandersetzung mit deren Argumenten fand nicht in sachlicher Form, sondern im Stil der Verhöhnung als „politisches Windei“ statt. Die erste Rechnung wurde nun präsentiert. Wie die Zukunft von „Grünen“ und „Bunten“ aussieht, hängt davon ab, ob die großen Parteien aus ihrer Schlappe lernen, ob sie wieder mehr Bürgernähe zeigen, ob sie Staat und Politik transparenter machen, ob sie die dem Bürger so oft attestierte Mündigkeit wieder mehr fordern.

Reiner Marcowitz, 18 Jahre

Es ist sehr mutig von diesen kleinen Gruppen, daß sie sich zur Wahl stellen, auch gegen die Diffamierungsversuche der großen Parteien, die ständig auf die Kommunisten hinweisen, und gegen die überhebliche Berichterstattung in den Zeitungen. Was diese Gruppen wollen, ist endlich einmal klar und offen formuliert, denn würde die SPD es wagen, sich für die Schwulen einzusetzen, in aller Öffentlichkeit? Ich hoffe, die Bunten oder die Grünen kriegen ihre fünf Prozent, damit die großen Macher da oben mal merken, wie viele Bürger fühlen und denken und daß die Bürger merken, daß es nicht umsonst ist, für die Natur und die Demokratie zu kämpfen. Beate Detlefs, 18 Jahre

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Parteien und Wählergemeinschaften, deren Programm einzig den Umweltschutz umfaßt, können keine politische Alternative darstellen, solange sie nicht auch allgemeinpolitisch kompetent sind, und solange in unserem Staat Regierungen und Parteien nicht gegen die Interessen der bundesdeutschen Wirtschaft arbeiten können. Denn im Falle politischer Macht wären sie nur in einem einzigen, wenn auch wichtigen Bereich zuständig, und ein Nein von ihrer Seite würde den technischen Fortschritt bremsen und die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Industriestaaten konkurrenzunfähig machen. Die „Grünen“ und die „Bunten“ müßten also zunächst die Wirtschaft zu ihrer Sache machen, Was einer Systemveränderung gleichkäme Und mir deshalb recht utopisch erscheint. Unter solchen Voraussetzungen allerdings wären die „Grünen“ und die „Bunten“ eine echte Alternative. Wenn man keine Angst um die Konkurrenzfähigkeit der bundesdeutschen Industrie zu haben brauchte, könnte man beispielsweise die Forschungskosten von 99,8 Prozent für Atomenergie zu 0,2 Prozent für Sonnenenergie umverteilen und somit den technischen Fortschritt auf umweltfreundlichere Art weiter betreiben und dem arbeitenden Menschen bessere Luft und saubere Flüsse garantieren.

Michael Nordgerling, 19 Jahre

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