Wir, die wir den Sport lieben, halten es am Ende großer Ereignisse wie die Sportler selber: Wir lassen die Luft raus. Das reicht für einen Seufzer der Erleichterung oder einen Hauch guter Nachrede. Jetzt ist der Augenblick auch günstig für die Frage, ob auch wir, das Publikum, gut genug waren.

Ohne Zweifel hatten die großen Tennis-Turniere in Paris Zuschauer, wie man sie sich nicht besser wünschen konnte: leidenschaftlich, doch wohlerzogen, vor allem fachkundig. Aber schließlich zeigte sich, daß bei ihnen die Bewunderung für den Sieger Borg ständig zunahm, die Zuneigung für ihn jedoch geringer wurde. Die Verlierer, ohnehin sympathisch, gewannen noch an Sympathie durch ihre Niederlage. Wenn man klagen hört, auf die Sportler sei kein Verlaß, nun: auf das Publikum auch nicht. Zu verschieden sind die Gefühle, von denen wir beeinflußt oder hin- und hergerissen werden.

Die patriotischen Gefühle, ja, sie stellen sich noch am ehesten ein, vor allem bei internationalen Fußballkämpfen, und sind so zuverlässig, daß man sagen konnte, bei den Spielen um die Weltmeisterschaft sei der Sieg der nationalen Mannschaft für das jeweilige Vaterland auch politisch gut. Hieß es einst: „... reitet für Deutschland“, so könnte man heute sagen: „... tritt für die Bundesrepublik“. Aber damit ist es nicht getan. Siegen ist gut, doch nicht genug. Denn wir, das Publikum, wir wünschen zwar den nationalen Sieg, denn er ist gut für Deutschland, aber wir wollen auch kühne, temperamentvolle Spiele mit spannenden Episoden.

Nach langweiligen Spielen lassen uns die Sieger gleichgültig, sogar, wenn es die eigenen. Landsleute sind. Wir hören dann auch nicht gerne, daß unsere Mannschaft nach Regeln der Wissenschaft behandelt wurde: abseits der Welt, im Winkel der Windstille, wo Ablenkung verhütet und Konzentration gefördert wurde, dies alles zu dem Zweck, daß sie fit bleiben und schön siegen könnte.

Wir hörten auch nicht gerne, daß die Orte der Weltmeisterschaft Marktplätze seien. ihr Betrieb, so bemerkte ein alter Landwirt, erinnere ihn an Bullenauktionen. Hier ist freilich auf den großen Unterschied zu verweisen, daß für einen Fußballstar der Weltklasse erheblich mehr Geld aufgebracht werden muß als für einen preisgekrönten Star. Sinken allerdings die Preise auf dem internationalen Fußballmarkt, so sollte dies uns möglichst nicht treffen: Die Preise für die deutschen Stars sollten die höchsten sein und bleiben.

Und doch! Am Ende der mundialen Begegnungen wissen wir genau, wie wir die Sportler am meisten lieben: konzentriert, aber aufgeschlossen, zurückgezogen, aber umtriebsam, kühn, aber vorsichtig, forsch, aber rücksichtsvoll, deutsch, aber ein Bayer, Rheinländer, Schwabe und so weiter. Und wenn man einem von ihnen eine Prämie bietet, so soll er sagen: „Ach, lassen Sie nur, ich spiele ja nur aus Freude am Spiel.“