Sind Ferien beim Club Méditerranée noch sicher? Nach einer Serie von Überfällen auf Clubdörfer und nach dem jüngsten Bombenanschlag auf die Pariser Zentrale des größten französischen Reiseveranstalters scheint diese Frage durchaus berechtigt. Denn auf den ersten Blick könnte es sich bei dieser Serie von Attentaten durchaus um gezielte Aktionen handeln, hinter denen System steckt. Diese Vermutung ist aber nach allem, was man bisher weiß, unberechtigt.

In fünf. Fällen während der letzten zwölf Monate handelte es sich ganz eindeutig um Raubüberfälle, die Schule machten. Erstmals wurde der Club im vergangenen Juli im griechischen Korfu heimgesucht; ein Animateur, der sich den Banditen, von denen zwei hinter Schloß und Riegel sind, in den Weg stellte, mußte seinen Mut mit dem Leben bezahlen. Vierzehn Tage später raubten Unbekannte den Tresor in Vitell aus, kurz darauf war Nicotera in Kalabrien an der Reihe. Schließlich wurden Playa-Blanca in Mexiko und – im April – St. Moritz heimgesucht.

Außer in Korfu kam niemand zu Schaden. Das Motiv der Täter ist eindeutig: Sie haben es auf das Geld abgesehen, das die Bewohner der Clubdörfer nach ihrer Ankunft hinterlegen. Die Summen sind deshalb so stattlich, weil in den Dörfern selbst nicht mit Bargeld, sondern mit „Club-Geld“ bezahlt wird, das man bei der Ankunft eintauscht. In allen Fällen wurden die hinterlegten Summen anstandslos erstattet.

Verhängnisvollere Folgen hätten die Brandstiftungen haben können, die vor allem in Korsika Anlagen des Club Mediterranee zerstörten. Diese Attentate gehen auf das Konto korsischer Autonomisten. Doch gerade in Korsika, wo Bombenattentate fast an der Tagesordnung sind, achteten die Übeltäter bei allem Fanatismus bisher immer darauf, daß keine Menschenleben gefährdet wurden. Allerdings ist es ihr erklärtes Ziel, Fremde von ihrer Insel fernzuhalten. Sie stört zudem, daß die Aktivitäten des Clubs der korsischen Wirtschaft keine nennenswerten Impulse gegeben haben, weil Waren und Arbeitskräfte überwiegend vom Festland kommen.

Die Motive des Anschlags auf die Zentrale an der Pariser Börse sind noch unklar. Offiziell gab sich die antisemitische „Französische Front für die nationale Befreiung“ als Urheber zu erkennen. Doch niemand weiß, ob sich die Aktionen gegen den jüdischen Gründer des Unternehmens, Gilbert Trigano, richten, oder ob das internationale Gesicht des Clubs den Ewiggestrigen ein Dorn im Auge ist. Die rassistischen Beweggründe scheinen allerdings eindeutig.

Trigano, der nach eigener Versicherung nie irgendwelche Drohbriefe erhalten hat, wehrt sich vor allem dagegen, die verschiedenen Vorfälle auf einen Nenner zu bringen. Die Raubüberfälle rechnet er „klassischen Banditen“ zu, die korsischen Attentate „politischen Heißspornen“. Daß jetzt Rassisten ausgerechnet den Club als Ziel aussuchen, scheint ihm allenfalls ein Indiz für Erfolg und Beliebtheit des Club Méditerranée.

Der Ferienbetrieb wird dadurch nicht gestört; denn alle Buchungen sind doppelt registriert. Und bereits am Tag nach dem Bombenanschlag arbeitete die Club-Zentrale wieder – inmitten von Trümmern und Glasscherben. smi