Von Ulrich Kaiser

London

Weißt du“, sagte David Gray, „hier ist nichts so wie bei einem anderen Tennisturnier auf der Welt. Woanders reisen die Organisatoren um die halbe Welt, um einen zugkräftigen Star zu überreden, doch bitte schön an ihrer Veranstaltung teilzunehmen. Und der sagt dann gelangweilt, daß man doch den Manager bemühen möge. Hier in Wimbledon ist noch nie einer irgendwo hingefahren, um zu betteln. Es gibt keine Verträge, sondern nur Anmeldungen.“

Der All England Club nimmt sich dann die Freiheit, diese Anmeldungen zu akzeptieren oder auch nicht. Das einzige Extra, das die Spieler erhalten, ist ein Heftchen mit Gutscheinen für den Lunch; und man fährt sie mit Autos vom Hotel bis auf die Tennisanlage.

David Gray hat das Wimbledon-Turnier fast zwei Jahrzehnte lang von der Pressetribüne aus erlebt und hat sich in früheren Jahren im „Guardian“ über die Ignoranz jener Leute in Wimbledon amüsiert oder auch erbost. Vor zwei Jahren wechselte er die Fronten: Er ist nun Generalsekretär des Internationalen Tennis-Verbandes (ITF), was bei aller Loyalität nichts daran ändert, daß ihm dieses Tennisphänomen hin und wieder noch Sprachlosigkeit verursacht.

Wimbledon, im 101. Jahr seines Bestehens, hat einen Tag nach dem Finale der Fußballweltmeisterschaft begonnen. Das ist ein Zufall. Man wäre von diesem Termin in der letzten Woche des Juni und der ersten des Juli auch dann nicht abgegangen, wenn dieses; Fußballchampionat in Argentinien zur gleichen ... Zeit stattgefunden hätte. So wie es vor vier Jahren der Fall war, als die Titelkämpfe in der Bundesrepublik zur Zeit des Turniers stattfanden. Die Tatsache, daß die englische Fußballmannschaft seinerzeit nicht dabei war, wurde zwar zur Kenntnis genommen, hätte aber die Planungen ohnehin nicht beeinflußt.

David Gray: „Sie stehen in diesem Club außerhalb aller Einflüsse. Was auf der Welt sonst auch noch geschehen mag, sie tun so, als ob es nicht vorhanden wäre – es ist ihnen egal!“