Bei der Fußball-WM standen die meisten Mannschaften unter der Diktatur der Taktik

Von Jürgen Werner

Meine talentierten, klugen Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt“ – Cesar Luis Menotti, der Trainer der argentinischen Fußballnationalmannschaft, die gerade Fußballweltmeister geworden war (3:1 gegen Holland nach Verlängerung), sprach nicht etwa über Politik, sondern zog damit ein Kurzfazit der XI. Fußballweltmeisterschaft in Argentinien.

Er verband damit geschickt Lob für seine Mannschaft und Tadel an Trainerkollegen, die versucht hatten, aus dem Fußballfestival 1978 ein Fachseminar für angewandte Taktik zu machen: Auch der Internationale Dachverband des Weltfußballs (Fifa) hatte durch seinen Sprecher in einer Zwischenbilanz erklären lassen – Rinus Michels, der Trainer der holländischen Mannschaft, die 1974. Vizeweltmeister wurde, hatte neben anderen Experten diese Analyse erstellt – auch Helmut Schön und die deutsche... Mannschaft hätten als Titelverteidiger durch ihre Defensivtaktik dem Ansehen des Fußballs Schaden zugefügt.

Die Phasen der Ratlosigkeit über Resignation bis hin zum Ruf nach Regeneration des Fußballs während der letzten vier Wochen machen deutlich, daß Fans wie Fachleute mit einer bestimmten Erwartungshaltung nach Argentinien gebückt hatten: Treffen gute, renommierte Mannschaften in einem Weltturnier aufeinander, müssen dabei hervorragende Spiele herauskommen. Das Gegenteil war der Fall. Die Underdogs des Weltfußballs – Tunesien für Afrika, Österreich für Europa und Peru für Südamerika – machten Furore.

Profitsucht der Stars

Sie machten exemplarisch den ersten von den drei mir wichtig erscheinenden Aspekten, Profit, Prestige und Profil, deutlich, die bei dieser Weltmeisterschaft dominierten. Sie als Amateure zu bezeichnen, hieße die Situation verkennen. Doch im Vergleich zu den ausgesetzten Prämien für die Spieler anderer Nationen, z. B. 60 000 Mark für die deutschen, 100 000 bei den Italienern, 80 000 bei den Brasilianern, jeweils für den Titelgewinn, wirkten die ihnen avisierten Summen, die zwischen 10 000 und 20 000 Mark lagen, vergleichsweise bescheiden.